17. Februar 2017

Wenig ansehnlich, aber sehr wichtig: Heidelberg siegt in Essen

Freitagabend, Doppelspieltag in der 2. Basketball-Bundesliga ProA.

Auf der einen Seite die ETB Wohnbau Baskets Essen – auf Tabellenplatz 15 stehend und um das sportliche Überleben kämpfend. Auf der anderen Seite die MLP Academics Heidelberg – auf Tabellenplatz fünf rangierend und auf das Parkett kommend, um eine möglichst gute Ausgangsposition für die Playoffs zu erhalten. Zwei Gegensätze also. Zumindest was den Sprungball und die ersten Punkte betraf, hatten die MLP Academics die Nase vorne. Doch diese Momentaufnahme erübrigte sich schnell – die Hausherren gaben ebenso wie die Gäste alles. Vor allem am offensiven Ende des Parketts (9:9, 3. Spielminute). Aufgrund eines unsportlichen Fouls von Hrvoje Kovacevic gelang es dann jedoch den ETB Wohnbau Baskets sich etwas abzusetzen. Allen voran das Guard-Duo der Hausherren, bestehend aus Maurice Creek und Chris Alexander, wusste die entstehenden Räume zu nutzen. Und vor allem gegen Alexander fanden die Heidelberger kein Mittel. Zu spritzig und agil war der Kapitän und Spielmacher. Erst als Headcoach Igor Krizanovic ihn auf die Bank beorderte, gelang es den MLP Academics, das Spielgeschehen nach und nach zu kontrollieren. Bis zum Viertelende hatten die Gäste den zwischenzeitlichen Rückstand wieder deutlich minimiert. Ausgleichen konnten sie die Partie jedoch nicht, da sie zahlreiche Chancen ungenutzt ließen.

Der Start ins zweite Viertel war, entgegen dem in Viertel eins, dann von der Defensive – und den offensiven Fehlern geprägt. Mindestens einen zu viel machten dann die MLP Academics: nach weiteren Fastbreak-Punkten durch Ashton Moore rief Frenki Ignjatovic seine Mannen in die Auszeit. Diese fruchtete jedoch nur bedingt – denn die gallige Defense der Essener konnte auch diese Auszeit nicht brechen. Heidelbergs Vorteil war jedoch, dass die ETB Wohnbau Basktes ebenfalls keinesfalls überragend agierten. In Spielminute 15 war es dann endlich geschehen. Bei abermals herunter tickender Shotclock verwandelte Vance Hall per Buzzerbeater. Doch auch dieser Korberfolg sollte nicht der Auftakt zu Großem sein. Beide Teams mussten sich ihre Punkte hart erarbeiten – etwas besser gelang dies den Hausherren, welche folgerichtig auch zur Halbzeit führten: 38:33.

Erneut bringt das vierte Viertel den Sieg

Nach dem 15-minütigen Pausentee sollte dann die spielerische Wende erfolgen. Doch das Spiel blieb ein schweres. Viele Fouls und viele Unterbrechungen prägten auch den Beginn der zweiten Hälfte. Weiterhin war es relativ egal, welche Mannschaft zum Korberfolg kam, denn die jeweils gegnerische tat es ihr gleich. Bis Hrvoje Kovacevic auf den Plan trat: der Kroate glich zuerst per Dreipunktewurf aus und holte sich dann auf der anderen Seite des Parketts den Rebound. Er ermöglichte seinen Farben hierdurch einen kleinen Lauf – nachdem Niklas Würzner dann auch noch per Korbleger vollendete, führten die MLP Academics erstmals seit Spielminute eins (42:44, 25.). Und diese hielt! Denn Bernard Thompson und Hall taten es Kovacevic gleich und antworteten stets auf die Korberfolge Essens. Doch die ETB Wohnbau Baskets drehten wieder auf und kämpften sich heran, sodass die Partie vor den letzten zehn Minuten beim Stand von 54:54 auf die Zielgerade bog.

Dieses war zuletzt die Paradedisziplin der Heidelberger. In der Sporthalle „Am Hallo“ misslang der Start jedoch gründlich: Essen startete mit einem 5:0-Lauf. (59:54, 32.). Nachdem die MLP Academics dann auch noch binnen kürzester Zeit Devin White durch sein fünftes Foul verloren hatten und sowohl Niklas Ney als auch Phillipp Heyden vier Fouls auf dem Konto hatten, stand die Halle Kopf.  Aus Heidelberger Sicht lagen die Nerven jedoch nicht blank – denn dank eines 6:2-Laufes waren sie abermals zurück im Spiel (61:60, 35.). Und das Spiel in der Crunchtime: Wie bereits mehrfach in dieser Saison schwang sich hierin Point Guard Hall zum Anführer empor. Der US-Amerikaner scorte mehrfach und setzte der Moral der Essener erheblich zu. Doch es wurde noch einmal eng. Denn Ashton Moore hängte Heyden dessen fünftes Foul an und verwandelte die fälligen Freiwürfe. Für die Hausherren sollte es jedoch nicht mehr reichen. Die MLP Academics brachten den Sieg über die Zeit. Damit fuhren sie einen wenig ansehnlichen aber ungeheuer wichtigen Erfolg ein – und erwarten nun am kommenden Sonntag die Nürnberg Falcons.

Diese siegten im Parallelspiel ebenfalls und landeten damit einen Big-Point im Abstiegskampf. Das Team von Ralph Junge bezwang in der Verlängerung die Kirchheim Knights. Eine sicherlich kräftezehrende Partie auf welche die Franken am Sonntag aufbauen wollen. Auch generell mühen sich die Falcons von Kraftakt zu Kraftakt – doch dies klappt erstaunlich gut, denn der vor der Saison vor dem Aus stehende Klub ist bereits beinahe sicher dem Abstieg entronnen. Aktuell rangiert Nürnberg (bei noch sieben ausstehenden Partien) drei Siege vor Essen und weitere zwei vor Dresden. Nürnberg kann also entweder darauf hoffen, dass Dresden und vor allem Essen weiterhin so schwach agieren – oder aber, wie gegen Kirchheim, selbst die Initiative ergreifen. Initiative ergreifen? Dies ist genau das richtige Stichwort für Diante Watkins. Der US-amerikanische Point Guard ist Top-Scorer und Top-Assistgeber bei den Franken und führt die Regie im Junge-Team. Unterstützung bekommt er vor allem von den weiteren Startern, denn Nürnbergs Rotation ist zweigeteilt. Auf der einen Seite die erfahrenen und soliden Profis, auf der anderen Seite die aufstrebenden Talente, welche budget- und spielzeitbedingt in Nürnberg ihre Chancen auf Einsatzzeiten und Entwicklungspotenziale sehen. Ein frisch hinzugewonnenes Bindeglied ist dabei Josh Young. Nürnberg holte den lange verletzten Shooting Guard Ende Dezember erneut ins eigene Team – dort soll er wieder genesen und dann mit seiner Erfahrung dem Team kurz- und den Talenten langfristig helfen. Aktuell klappt dies gut, sodass Nürnberg die Mission Klassenerhalt beinahe abschließen kann und bereits am Sonntag zum möglicherweise vorentscheidenden Sieg ausholen will.

Dies wollen die MLP Academics ihrerseits verhindern und das Wochenende mit dem zweiten Sieg im zweiten Spiel abrunden. Die Aufgabenstellung wird dabei keinesfalls leichter als Gegen Essen – wohl aber mit einer großen Portion Unterstützung versehen. Denn der Heidelberger Anhang in der Sporthalle „Am Hallo“ war zwar lautstark, doch in den eigenen vier Wänden ist die Unterstützung eben doch eine andere.

Die Statements und Stats zum Spiel

Frenki Ignjatovic: „Ich glaube, dass Igor weiß wie viel Respekt ich vor seiner Arbeit und seiner Mannschaft hat. Wir haben das Spiel nicht auf die leichte Schulter genommen. Ich habe den Jungs gesagt, dass wir irgendwie im Spiel bleiben müssen. Das Spiel lief von Anfang an die die falsche Richtung. Essen hat mit viel Herz gespielt. Ich habe gesagt, dass wenn wir am Ende in ein knappes Spiel kommen, wir gewinnen werden. Dank Vance Hall ist das Spiel dann gekippt und wir haben gewonnen.“

Igor Krizanovic: „Ich glaube, dass Frenki die wichtigsten Punkte genannt hat. Die kann ich nur wiederholen. Wir haben es am Ende geschafft den Gegner zu Einzelaktionen zu zwingen – wie auch umgekehrt. Heidelbergs Aufbauspieler war uns am Ende aber psychisch überlegen. Dann sind die Köpfe viel zu früh nach unten gegangen. Wir haben die Niederlage viel zu früh hingenommen. Das dürfen wir nicht und das ärgert mich.“

Für Heidelberg spielten: Vance Hall 25 Punkte, Niklas Würzner 14, Bernard Thompson 8, Hrvoje Kovacevic 8, Devin White 8, Albert Kuppe 1 und Niklas Ney.

Für Essen spielten: Maurice Creek 20 Punkte, Ashton Moore 15, Eric Thompson 11, Chris Alexander 8, Robin Lodders 5, Jannik Lodders 4, Randall Carraway 2, Leo Vrkas, Mark Gebhardt und Timo Volk.

 

Lukas Robert