21. Dezember 2022

Von Kindesbeinen an mit „Riesen“ vertraut

Academics Inside

Es gibt Bilder, die gehen einem ewig nicht mehr aus dem Kopf: Das ist hundertprozentig bei Till Riedel der Fall. Der 35-jährige Geschäftsführer fürs operative Geschäft der MLP Academics erinnert sich schmunzelnd, wie er 1994 Fetzen vom Korbnetz aus den Händen von Horst „Horscheck“ Wolf nach dem Wiederaufstieg des USC Heidelberg in die 2. Bundesliga erhält. Er kramt einen RNZ-Artikel mit Bild heraus, wo er nach einem Triumph als Steppke auf den Schultern von David „DJ“ Jones sitzt und die Schlagzeile vom 4. März 1996 lautet: „Tolle Nummer: USC fand den richtigen Anschluss“.

„Seit ich denken kann, war ich im Sportinstitut“, sagt Till. Basketball, der traditionsreiche USC, seit 2012 die Academics – der orangefarbene Ball und das ganze Drumherum haben den ältesten Sohn von Thomas Riedel nie losgelassen.

Spieltagshelfer und „Lichtbeauftragter“

Mit Beginn der Saison 1994/95 – mit gerade mal sieben Lenzen – fungiert Till als Spieltagshelfer. Einmal, erzählt er, sei er „Lichtbeauftragter“ im Sportinstitut (ISSW) gewesen, weil eben mit einem falschen Griff das Hallenlicht in der Zweiten Liga komplett auszufallen droht. Und als nach dem Umzug in den Olympiastützpunkt (OSP) der damalige „Hallenmanager“ Malte Luckenbach zum Abteilungsleiter befördert wird, kommt die Frage: „Kannst Du das übernehmen?“, so Till, der dadurch mit 15 Jahren zum Leiter des Auf- und Abbaus aufsteigt.

Die Zeit vergeht, Till holt sich Freunde ins Helferteam, sie gründen den Fanclub „Red Caps“ und um Initiator Riedel scharen sich immer mehr. „Ich habe damals kein Heimspiel verpasst“, bekennt er.

Nach der Schule studiert Till in Köln und Berlin Tontechnik, arbeitet parallel dazu als Discjockey, lernt Boulevard Bou alias Bülent Teztiker kennen, sie legen auf und machen „Gigs“ in diversen Clubs, unter anderem in der Heidelberger „Nachtschicht“. Bülent ist Tills Mentor. „Musik ist schon immer meine Leidenschaft, mit sechs habe ich Posaune, mit 12 Schlagzeug gespielt“, blickt Till zurück. Clubs sind cool, Boulevard Bou ist bekannt und hipp, was liegt da näher, als sich selbständig zu machen und zwischen 2010 und 2020 hauptberuflich als „DJ“ in ganz Süddeutschland herumzutouren. Ein antizyklisches, unstetes Leben, das Till irgendwann satt hat.

Der Aufstieg 2021 als Chance

Tills Liebe für den Basketball beginnt früh. Foto: Familie Riedel.

Zwei Schlüsselerlebnisse forcieren die Rückkehr in einen geregelteren Alltag: Im Januar 2021 wird Till Vater von Zwillingen, am 1. September 2021 neuer Gesellschafter der in die Bundesliga gekletterten MLP Academics. „Durch den Aufstieg kam auch meine Chance“, sagt Till, der sich fortan noch mehr reinhängt, Bundesliga-Spiele und Events organisiert, das Ticketing optimiert und und und. Die Tätigkeit als Leiter für das operative Geschäft sei die logische Schlussfolgerung gewesen, zumal Till gemeinsam mit Vater Thomas ohnehin die BBL-Lizenzabwicklung und große Teile der Buchhaltung bewältigt. Tills Frau Vera, von Beruf Lehrerin, macht zudem seit zehn Jahren engagiert die Tageskasse für die Academics.

Inzwischen ist das Team hinter dem Team im Office gewachsen: Till, Hannah Ugrai, Nicole Weise, Peter Thum (als Tills Kumpel schon lange davor freiberuflich an Bord) und Carolin Kramer bilden gemeinsam mit dem Geschäftsführenden Gesellschafter Matthias Lautenschläger die Kernmannschaft der neuen Geschäftsstelle in der Bahnhofstraße 34/1, um eine professionelle Organisation der MLP Academics zu gewährleisten. Der familiäre Aspekt wird groß geschrieben. Warum? Till dazu: „Es ist das, was es ausmacht und woran ich festhalten möchte. Es sind Leute, die uns kennen – und die wir kennen.“

An einem Spieltag seien es nunmehr über 100 Mitarbeiter und Helfer in den verschiedensten Bereichen. Ohne die vielen Ehrenamtlichen, Security, Catering, Hausmeister, Hilfsorganisationen wie etwa das Deutsche Rote Kreuz geht das nicht mehr. Tills Ziel: „Ich möchte mit unserem Unternehmen Menschen für Basketball begeistern.“

„Basketball in die Schulhöfe“

Till hält das Jugendkonzept von Alba Berlin in der Hand. Die „Albatrosse“ bewegen über 10.000 Kinder in der Hauptstadt – ein Spitzenwert. Das große Vorbild. Deshalb meint Till perspektivisch: „Wir müssen Basketball in die Schulhöfe bringen.“ Zarte und gute Ansätze sind in der Universitätsstadt durchaus vorhanden.

Die Vorliebe von Till für Nachwuchsarbeit auf allen Ebenen, ob in der Schule oder in den Vereinen, hat einen Grund. Das „Familiäre“ hat er früh in sich aufgesaugt. Seine Mutter Annette hat seit vielen Jahren den Purzelzwerg e.V. in Dossenheim systematisch aufgebaut. Annette ist Geschäftsführerin und leitet gemeinsam mit Tills Schwester Corinna die Krippen und Kindergärten an mehreren Standorten, Thomas 1. Vorsitzender, Till 2. Vorsitzender – rund 70 Mitarbeiter zeichnen sich nunmehr für die entwicklungsgerechte und nachhaltige Kinderbetreuung verantwortlich.

Für Till schließt sich hier ein Kreis. Der operative Geschäftsführer hat gerne mit „Zwergen“ und „Riesen“ zu tun. Till kennt es aus dem Effeff – und wie seine drei Geschwister von Kindesbeinen an nicht anders.

 

Text: Joachim „Jogi“ Klaehn

MLP Academics Heidelberg

Kommunikation und Medien