6. Dezember 2021

Trainingsspiel mit Wettkampfcharakter

Nur zwei Tage nach der deutlichen Niederlage im heimischen SNP Dome gegen die BG Göttingen müssen die MLP Academics Heidelberg auswärts beim FC Bayern Basketball ran. Man muss kein Experte sein, um die Kräfteverhältnisse in diesem Duell „David gegen Goliath“ richtig einordnen zu können.

Zwischen dem 06. Novemver und dem 04. Dezember hatten die Heidelberger lediglich ein Spiel absolvieren können. Zum Vergleich: die Bayern mussten Wettbewerbsübergreifend neunmal ran. Coach Frenki konnte auch nicht recht sagen, ob der mangelnde Spielrhythmus maßgeblich für die doch sehr bescheidene Leistung im Spiel gegen Göttingen war. Förderlich war diese Pause zumindest nicht.

Abhängigkeit von Lucic

Die Bayern hingegen agieren am anderen Extrem, touren quer durch Europa um sich in Europas Königsklasse mit Real Madrid, CSKA Moskau und anderen Hochkarätern zu messen. Der Reiseplan ist entsprechend eng getaktet, die Vorbereitung auf den jeweils nächsten Gegner eine echte Herausforderung. Hierbei kann sich der Coach der Gastgeber – Andrea Trinchieri – jedoch auch auf einen tief besetzten Staff aus Assistant Coaches verlassen, denen unter anderem auch Ex-Nationalspieler Demond Greene angehört.

Die Bayern starteten, gemessen an der eigenen Erwartungshaltung, bescheiden in die aktuelle Spielzeit. Am ersten Spieltag setzte es gleich die erste Heimniederlage gegen Ratiopharm Ulm und in der Turkish Airlines Euroleague setzte es drei Niederlagen in Serie. Das verletzungsbedingte Fehlen ihres Dreh- und Angelpunktes Vladimir Lucic machte sich extrem bemerkbar, was in Anbetracht des sehr tief besetzten Kaders doch überraschte. Beispiel gefällig? Mit Lucic konnten sechs der neun Spiele in der Euroleague gewonnen werden, ohne ihn verließ man in allen vier Partien das Parkett als Verlierer.

Terminstress setzt den Bayern zu

Der Spielplan – Bayern hat 15 Spiele mehr absolvieren müssen als die Academics – ist sicherlich kein Vorteil im nationalen Wettbewerb. Niederlagen wie die deutliche 90:70 Schlappe in Würzburg, wo man in der zweiten Halbzeit komplett einbrach, lassen sich unter anderem durch die Reisestrapazen erklären. Ins heutige Spiel hingegen kommt man vergleichsweise ausgeruht. Vor dem erfolgreichen Euroleague Heimspiel gegen Villeurbanne gab es eine seltene einwöchige Pause. Am vergangenen Samstag folgte die Auswärtspartie gegen den Syntanics MBC, welche man souverän gewinnen konnte.

In der vergangenen Woche ereilte die Bayern jedoch eine nächste Hiobsbotschaft. Der amerikanische Shooting Guard Darrun Hilliard verletzte sich schwer am Knie und wird mehrere Wochen ausfallen. Umso erstaunlicher, dass Trinchieri sich dazu entschied beim MBC auf den Einsatz von Lucic (ebenfalls Shooting Guard) zu verzichten und insgesamt nur einen Spieler 30 Minuten spielen zu lassen. Dass der Sieg dennoch nie gefährdet war, unterstreicht die individuelle Qualität des heutigen Gegners.

Ein Kader zum Zunge-Schnalzen

Zu den oben genannten reihen sich international erfahrene Spieler wie DeShaun Thomas (mit 15,5 Punkten Topscorer der Bayern in der easyCredit BBL), der in der BBL rumgekommene Augistine Rubit und der von Partizan Belgrad gewechselte Ognjen Jaramaz nahtlos ein. Es würde den Rahmen sprengen auf jeden einzelnen Akteur der Münchner individuell einzugehen. Ein jeder von ihnen, wie beispielsweise der ehemalige Topscorer der Ludwigsburger Nick Weiler-Babb oder der slowenische Nationalspieler  Zan Mark Sisko oder aber auch der von Roter Stern Belgrad gewechselte Corey Walden,  in einem gewöhnlichen Vorbericht einen eigenen Absatz verdient.

Paul Zipser, Niklas Würzner und Danilo Barthel mit ihrem Förderer und Entdecker Alex Schönhals. Leider kommt es heute noch nicht zum direkten Duell von Würzner und Zipser

Auch auf den deutschen Positionen ist man mit Nationalspieler und Scharfschützen Andreas Obst, den mittlerweile eingebürgerten Nihad Djedovic und Gavin Schilling hochkarätig besetzt. Auf das Heidelberger Eigengewächs Paul Zipser wird Trinchieri wohl aber noch verzichten müssen. Eine im Sommer erfolgte Not-Operation setzt den sympathischen Schriesheimer derzeit noch außer Gefecht. Wer „Paule“ kennt, weiß jedoch, dass er jeden Tag hart an seinem Comeback arbeitet. Wie wichtig er den Verantwortlichen in München ist, zeigt auch die vorzeitige Verlängerung seines Vertrages um drei Jahre.

Für Kapitän Phillipp Heyden und Co wird es ironischerweise das leichteste Spiel der bisherigen Saison. Coach Frenki spielt die Bedeutung des Ausgangs der Partie herunter: „Das ist eine gute Trainingsmöglichkeit für uns gegen die beste Mannschaft in Deutschland“. Sicherlich hat man die Reise nach München inklusive Übernachtung jedoch nicht auf sich genommen, um dem Gegner das Feld kampflos zu überlassen.