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6. April 2021

Täglich grüßt das „Vertändeltier“

Im Spitzenspiel der Barmer 2. Basketball Bundesliga unterliegen die MLP Academics Heidelberg den Gastgebern aus Jena denkbar knapp mit 70:69, behalten aber vorab den zweiten Tabellenplatz. Erneut sind es die letzten Minuten und individuelle Fehler, die den bis dahin möglichen und wohl auch verdienten Sieg zunichte machen.

Früher als sonst üblich machten sich die Academics auf den Weg nach Jena, denn ungemütliches Wetter war angesagt. So dauerte die Fahrt mit mehreren Staus und Schneestürmen auf der Strecke auch ca. sechs Stunden. Dieser Umstand schien jedoch keinerlei negative Auswirkung auf die Frühform der Gäste zu haben, denn der Start in die Partie begann vielversprechend. Nachdem Kapitän Phillipp Heyden die ersten Punkte der Partie erzielte setzten sich die Academics nach gut vier Minuten auf 12:4 ab. Die Defensive der Gastgeber wirkte indisponiert und in der Offense sorgten einige Konzentrationsfehler zu Ballverlusten.

Up and Down in der ersten Hälfte

Frank Menz, ehemaliger Bundestrainer und jetzige Coach von Science City, nahm entsprechend seine erste Auszeit und brachte anschließend den ehemaligen Heidelberger Zamal Nixon für den bis dahin glücklos agierenden Kasey Hill ins Spiel. Das Spiel konnte dennoch nicht richtig an Fahrt gewinnen und man merkte beiden Teams eine gewisse Anspannung, wohl auch aufgrund der Bedeutung der Partie, an. Es dauerte nahezu sieben Minuten, bevor Evan McGaughey den ersten Dreier der Partie zum zwischenzeitlichen 15:6 aus Sicht der Gäste markierte. Immerhin gelang es im weiteren Verlauf des ersten Viertels sich bis auf elf Punkte (20:9) abzusetzen. Ein Tip-In durch Shaun Willett eine Minute vor Ablauf der ersten zehn Minuten besorgte die höchste Führung des Abends. Mit einem 21:14 endete schließlich ein Viertel, mit dem beide Seiten nicht so recht zufrieden sein konnten.

Niki Würzner hätte die 2 Punkte wohl gerne mit nach Heidelberg genommen. (Foto: Thomas Disqué)

Ein Problem, das sich durch den ganzen Abend ziehen sollte, war der Dreipunktewurf, der bei keinem Heidelberger Akteur so richtig fallen wollte. Zumeist gut herausgespielt fanden die Würfe einfach nicht ihr Ziel und so gelang es den keinesfalls überzeugend aufspielenden Gastgebern, Viertel übergreifend mit einem 11:1 Lauf bis auf einen Punkt aufzuschließen. Über vier elend lange Minuten blieben die Academics hierbei ohne Punkt.

Immer wieder diese „Big Men“

Außerdem zeichnete sich eine wiederkehrende Heidelberger Schwäche ab, denn häufig liefern die gegnerischen Big Men gegen die Academics überdurchschnittlich gute Leistungen ab. Till Gloger mit 21 Punkten für die Seawolves und Saisonbestleistung, Moses Pölking (4,6 Punkte im Schnitt) mit zweistelliger Punkteausbeute und andere. In diesem Spiel war es Andrew Smith (sonst mit sechs Punkten im Schnitt) der bereits in der ersten Halbzeit auf zehn Punkte kam.

Es waren aber auch die anderen „großen“ Spieler der Thüringer, die der Partie in der ersten Halbzeit ihren Stempel aufdrückten und einen Großteil der Punkte erzielten. Die Folge war die erste Führung des Abends für die Gastgeber beim Stand von 34:32 (19. Minute). Den Schlusspunkt unter ein mäßiges zweites Viertel setze Armin Trtovac, dessen Korbleger schließlich doch noch eine knappe Halbzeitführung bedeutete.  Es war jedoch klar, dass es für Coach Frenki einiges in der Halbzeitpause zu besprechen geben würde.

Auf in die zweite Halbzeit

Es war erneut Andrew Smith vorbehalten das dritte Viertel in Transition nach einem unerzwungenen Turnover durch Heyden zu eröffnen. Dennoch gehörte die Anfangsphase den Academics, denen es gelang sich nach erfolgreichem Korbleger durch McGaughey auf sechs Punkte abzusetzen. Als Analogie des Spiels kann der direkt folgende Angriff gesehen werden, in dem McGaughey dann zu einem aussichtsreichen Dreier ansetzt, diesen aber erneut nicht trifft. Insgesamt 20 Fehlwürfe von jenseits des Perimeters standen am Ende zu Buche. I Die Ausbeute im dritten Viertel 0/7!

Es war der verunsicherten Spielweise der Gastgeber sowie einer erneut starken Leistung bei den Offensivrebounds  der Heidelberger zu verdanken, dass auch das dritte Viertel eher ergebnisneutral verlief und sich keine Mannschaft wirklich absetzen konnte.  Mit einem knappen Rückstand ging es somit in die letzten 10 Minuten.

Crunchtime ohne Happy End

Der Start in den Schlussabschnitt verlief äußerst vielversprechend. Insbesondere in der Offensive keimte nun ein wenig Hoffnung, dass man den Rost der ersten 30 Minuten abschütteln und in einen Flow kommen könnte. Zwei Mal Trtovac, Kuppe mit erfolgreichem Dreier und zwei Freiwürfe von Sa’eed Nelson, der seinen bislang schlechtesten Tag im Dress der Heidelberger erwischte, sorgten für eine schnelle 61:54 Punkte Führung. War der Bann nun endlich gebrochen? Jedenfalls sah auch Frank Menz diese Gefahr und bat seine Mannschaft zum Gespräch. Im Anschluss hatte Trtovac sogar die Gelegenheit auf neun Punkte zu erhöhen, verpasste seinen Wurf aber deutlich.

Seine Entschlossenheit beim Wurf fehlte den Mitspielern in der entscheidenden Phase. Albert Kuppe musste am Ende zusehen, wie das Spiel verloren ging (Foto: Thomas Disqué)

Der folgende Angriff, kann als eine Art mentaler „Gamechanger“ gesehen werden. Was war passiert? Dennis Nawrocki stößt Albert Kuppe von hinten, der im Anschluss über die Beine von Melvin Jostmann fällt. Klares Offensivfoul, welches jedoch als Flopping gewertet wird. Anstatt Ballbesitz Heidelberg nun also Freiwurf plus Ballbesitz Jena. Als Kuppe, der gerade in Rhythmus zu kommen schien, dann noch ein fragwürdiges Offensivfoul im nächsten Angriff angehängt bekam, sah sich Coach Frenki gezwungen, einen seiner sichersten Schützen vom Feld zu nehmen.

„Nimm ihn Du, ich hab ihn sicher!“

In den folgenden Angriffen hätte man wahrlich einen Spieler brauchen können, der den offenen Wurf nicht verweigert sondern – ohne Rücksicht auf Verluste – nimmt. Jedoch entwickelte sich eher ein Spiel, in welchem keiner der Heidelberger Akteure wirklich Verantwortung übernehmen wollte und anstatt dessen lieber den Ball zum nächsten, meist nicht besser positionierten Mitspieler weiterpasste. Hinzu kamen überflüssige Fouls wie durch McGaughey, der beim bereits verlorenen Kampf um den Rebound, seinen Gegenspieler unter dem eigenen Korb foult, der dank der erreichten Teamfoulgrenze an die Linie durfte. Das waren diese kleinen Funken Hoffnung, die man den Thüringern immer wieder gab und die diese auch zu brauchen schienen. Einen Gegner mit dieser individuellen Qualität darf man nicht zu oft bitten.

Beim Stand von 67:63 für die Academics (es waren noch 1:28 Minuten zu spielen), nahm der Gästecoach erneut eine Timeout. Schnelle Punkte sollten her. Schnelle Punkte sollte er bekommen. Nur sieben Sekunden dauerte es, als Marcus Tyus völlig frei zum erfolgreichen Dreier für Jena ansetzte – den fünften bei 21 Versuchen der Gastgeber im gesamten Spiel. Heidelberg war nun endgültig verunsichert und in der Offensive rannte man sich immer wieder fest. Zwar konnte Heyden 32 Sekunden vor Ende die beiden ihm zugesprochenen Freiwürfe nervenstark verwandeln und erneut die Führung herstellen. Im folgenden Angriff jedoch, die Defensive stand eigentlich gutgeordnet, verlor Shaun Willett plötzlich komplett den Überblick und ließ seinen Gegenspieler Andrew Smith sträflich frei. Diesen konnte er dann nur noch mit Foul stoppen. Es passte zum Spiel, dass ein Spieler mit 48% Quote von der Freiwurflinie beide Freiwürfe verwandelte, die letzten Punkte der Partie markiert und seine Mannschaft zum 70:69 Sieg warf.

Wieder einmal vergeben die Academics einen Sieg in den letzten Minuten. Wieder einmal sind es die Big Men des Gegners, die den Unterschied machen. Wieder einmal holen sich die Academics unsportliche und technische Fouls ab. Wieder einmal begeht man völlig unnötige Fouls, als die Teamfoulgrenze bereits erreicht war.

Schließen wir jedoch positiv: das alles sind Dinge, an denen man arbeiten kann und wird!