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22. April 2021

Tabellenführung übernommen

Mit einem überzeugenden 93:79 Heimsieg im SNP DOME übernehmen die MLP Academics Heidelberg die Tabellenführung von ihrem Gegner, den wiha Panthers Schwenningen in Gruppe 2 der Playoffs. Gegen eine Trefferquote von 50% von jenseits der Dreierlinie und einen wie entfesselt aufspielenden Jordan Geist waren die Gäste vor allem in der zweiten Halbzeit machtlos. Auch die 21 Punkte von Courtney Stockard reichen nicht, um einen letzten Endes souveränen Sieg der Heidelberger zu gefährden.

Die Startformation wird sich so bald wohl nicht mehr ändern. Coach Frenki aber eben auch Shyron Ely scheinen Gefallen daran gefunden zu haben, dass der US Amerikaner und Topscorer der Academics nicht mehr in der Startformation steht und somit eine zweite Welle einläuten kann, wenn er dann eingewechselt wird. Was als Experiment im Heimspiel gegen Ehingen startete, könnte nun zum Erfolgsrezept werden. Die Zahlen sprechen eindeutig dafür. In den drei Spielen als Einwechselspieler traf Ely 8/12 Dreipunktwürfe 10/16  Zweiern und erzielte dabei 17 (davor 14,4) Punkte im Schnitt.

Aberglaube oder nüchternes Kalkül?

Einen weiteren positiven Effekt hat die Umstellung auf das amerikanische Guardduo Sa’eed Nelson und Jordan Geist, die sich in ihrer Rolle als Starter sichtlich wohl fühlen und zuletzt, klammert man das Spiel von Geist in Bremerhaven aus, konstant gute Leistungen ablieferten. Somit ist es also nicht nur der Aberglaube des Trainers, der ihn an der Starting 5 festhalten lässt.

Ely mit seiner neuen Lieblingsrolle als Bankspieler? (Foto: Thomas Disqué)

Diese zeigte denn auch gleich zu Beginn, was die Stärke der Academics an diesem Abend sein sollte. Zwei Dreier durch Geist und einer durch McGaughey sowie ein Dreipunktspiel durch Niklas Würzner besorgten die zwischenzeitliche 12:10 Führung. Da aber auch die Gäste einen ordentlichen Schluck Zielwasser getrunken hatten – der Litauer Rytis Pipiras netzte allein drei Dreier im ersten Viertel – gelang es den Kurpfälzern nicht sich abzusetzen. Fünf Ballverluste in den ersten zehn Minuten waren ausschlaggebend dafür, dass man mit einem Rückstand in den zweiten Spielabschnitt ging. Der mittlerweile eingewechselte Ely verkürzte in seiner unnachahmlichen Art und Weise noch mit Ablauf der Spielzeit auf 21:22

Dreierfestival im SNP DOME

Der an diesem Abend ebenfalls gut aufgelegte Albert Kuppe eröffnete das zweite Viertel per Korbleger und brachte die Gastgeber damit in Führung. Was nun folgte war eine für dieses Spiel sehr atypische Phase. Drei Minuten lang gelang keinen der beiden Teams ein erfolgreicher Abschluss. Sollte die Defense das Spiel jetzt dominieren? Die Schwenninger hatten die Kirchheim Knights im ersten Spiel der Gruppenphase auf mickrige 68 Punkte halten können und zeigten einmal mehr, warum sie die defensiv beste Mannschaft der Barmer 2. Basketball Bundesliga sind.

Doch diese punktearme Phase der Partie war eher die Ruhe vor dem Sturm, denn fortan entwickelte sich ein offener Schlagabtausch, in welchem vor allem die Würfe der Heidelberger aus der Distanz ein ums andere Mal ihr Ziel fanden. Auf Seiten der Gäste deutete Chris Frazier sein Können an und hielt die Schwarzwälder unter anderem mit einem selten Vierpunktspiel stets in Schlagdistanz. Es war wie bereits im ersten Viertel Ely vorbehalten, mit Ablauf der Zeit einen blitzsauberen Mitteldistanzwurf ohne Ringberührung zur 43:40 Halbzeitführung einzunetzen.

Prominente Unterstützung für Gerald Hanbuch am Livestream. Alex Vogel (Magenta Sport, DAZN und andere) moderierte das erste Viertel mit (Foto: Thomas Disqué)

Basketball in Reinkultur

Keine zweieinhalb dauerte es im dritten Viertel, da hatten die Academics elf Punkte erzielt und die Führung auf 54:42 ausgebaut. Timeout Schwenningen. Den Heidelbergern war es gelungen, eine Mannschaft, die sich über Verteidigungsarbeit definiert, durch schnelle Drives und schönem Passspiel vor scheinbar unlösbare Aufgaben zu stellen. Immer wieder waren die Panthers den einen Schritt zu spät beim Closeout und konnten nur noch zuschauen, wie der Ball über ihre Köpfe hinweg durch die Reuse flutschte. Offensiv hingegen fingen sich die Gäste wieder und konnten den Rückstand zunächst zumindest konstant halten. Als nach einem verlegten Korbleger von Armin Trtovac Evan McGaughey eingeflogen kam und den Offensivrebound noch in der Luft stehend mit dem Rücken zum Korb artistisch zum 64:48 per Hookshot einnetzte, war aus Sicht der Gäste wohl einiges an Phantasie von Nöten, noch an einen Sieg zu glauben.

Mr. Unstoppable Jordan Geist mit 26 Punkten fleißigster Punktesammler der Partie

Insgesamt erzielten die MLP Academics 28 Punkte bei traumhaften Trefferquoten in einem Viertel, das rückblickend als Vorentscheidung für den Ausgang der Partie gesehen werden kann. Zwar hatte die Saison schon so einige Comebacks zu Gunsten aber auch zu Lasten der Academics gebracht. Im ersten Spiel gegen die Doppelstädter lag man beispielsweise mit 23 Punkte in Front, um im dritten Viertel sogar in Rückstand zu geraten. Am Ende gab es damals den 90:83 Sieg. Die Mannschaft wirkte am heutigen Abend zu diszipliniert und selbstbewusst, als dass hier eine Wende in den letzten 10 Minuten erwartbar gewesen wäre.

Niklas Würzner in Playoff-Form

Die Geschichte des Schlussabschnitts ist schnell erzählt. Die Gäste versuchten mit allen Mitteln den Rückstand zu verkürzen, bekamen aber die Offensive der Heidelberger weiterhin nicht in den Griff. Neben den treffsicheren Guards Ely (17 Punkte) und Geist (26 Punkte) sowie der insgesamt sehr homogenen Mannschaftsleistung ist ein weiterer Spieler besonders hervorzuheben. Niklas Würzner spielt seit Wochen den wohl besten Basketball seines Lebens.

Wichtige Stütze der Academics: Niklas Würzner arbeitet hart in der Defensive und spielt den „Ermöglicher“ in der Offense

Das Heidelberger Eigengewächs bekommt von Coach Frenki meist die schwersten Aufgaben in der Verteidigung zugeteilt und erfüllt diese immer besser. So war es auch „Niki“ zu verdanken, dass der Topscorer der Gäste Courtney Stockard in den spielentscheidenden ersten drei Vierteln lediglich auf 10 Punkte bei überschaubaren Wurfquoten kam. Aber auch offensiv entwickelt sich Würzner zu einem verlässlichen Vorlagengeber sowie Dreh- und Angelpunkt auf dem Feld. Eigene Punkte sind ihm dabei nicht wichtiger als seine Mitspieler in gute Wurfpositionen zu bringen. Die herausragenden Quoten der Mannschaft aus dem Feld waren zu einem Großteil auch seiner Spielübersicht zu verdanken. 7,5 Assists in den ersten beiden Spielen der Playoffs bestätigen das.

Viel Zeit auszuruhen hat die Mannschaft nicht. Bereits am Freitag muss das Team ins Schwabenland zu den Kirchheim Knights, die nach einem Sieg gegen die Eisbären Bremerhaven auch in den Playoffs angekommen sind und ihrerseits die Chancen auf einen Aufstieg wahren wollen.