28. Januar 2022

Revanche in Göttingen?

Am morgigen Samstag, den 29.01.2022 gastieren die MLP Academics bei der BG Göttingen und haben dort die Chance, sich für eine ihrer bittesten Niederlagen der aktuellen Saison zu revanchieren. Mit 80:96 verloren die Heidelberger das Hinspiel, in dem sie das zweite Viertel mit 12:32 abschenkten und danach nie wieder in Schlagdistanz kommen konnten.

Bei der Mission, diese Leistung vergessen zu machen, kommt die aktuelle Lage der Göttinger den Academics durchaus gelegen. Zwar gehören die Veilchen bisher zu den positiven Überraschungen der Saison, allerdings musste die Mannschaft von Trainer Roel Moors nach einem fulminanten Saisonstart zuletzt vier Niederlagen aus fünf Spielen hinnehmen. Die Formkurve zeigt hier also eher nach unten, auch wenn die BG Göttingen sich immer noch auf dem neunten Tabellenplatz und damit nur knapp hinter den Playoffrängen hält. Auf Seiten der Academics war die Niederlage gegen den Top-Favoriten FC Bayern München zwar ein kleiner Dämpfer, doch wenn die Mannschaft es schafft, an die starken Leistungen der beiden Siege gegen Braunschweig und vor allem Crailsheim anzuknüpfen, bestehen durchaus realistische Chancen auf den vierten Auswärtssieg dieser Spielrunde – der vor allem in Anbetracht des wieder enger zusammenrückenden unteren Tabellendrittels unglaublich wertvoll wäre, besonders um den wiedererstarkten MBC weiter hinter sich zu halten.

Göttinger Personalmangel

Die BG Göttingen verpflichtet den 24- jährigen norwegischen Guard und Nationalspieler Harald Frey Foto: Hubert Jelinek/gsd

In ihren letzten Auftritten hatte die BG Göttingen vor allem mit ihrer kurzen Rotation zu kämpfen. Durch die Abgänge der Amerikaner James Dickey und Zack Bryant standen Coach Roel Moors nur vier Importspieler zur Verfügung, insgesamt konnte der Belgier nur auf eine Neuner-Rotation zurückgreifen. Die daraus resultierende (Über-)Belastung zeigte sich in den letzten Spielen mehr und mehr, so dass die Göttinger Verantwortlichen nun reagiert haben und den 24-jährigen norwegischen Guard und Nationalspieler Harald Frey vom spanischen Zweitligisten Oviedo Club Baloncesto verpflichtet haben. Dort legte der 1,85m-Mann in der laufenden Saison bisher sehr respektable 16 Punkte, 3,6 Rebounds und 4,6 Assists auf. Sollte Frey sein Debut schon gegen die Academics feiern, stellt sich natürlich die Frage, inwieweit er bereits in das Spielsystem der Niedersachsen eingebunden ist. So oder so wird er aber in der Lage sein, dem Göttinger Backcourt-Duo Stephen Brown und Kamar Baldwin die so dringend benötigten Pausen zu verschaffen.

Schlüssel zum Spiel

Schlüsselspieler der BG Göttingen: Kamar Baldwin Foto: Swen Pförtner

Stichwort Kamar Baldwin: der ebenfalls 24-jährige Guard ist der überragende Mann im Göttinger Team, Dreh- und Angelpunkt in der Offensive von Roel Moors und ein legitimer Anwärter auf den MVP-Titel. Der aktuelle Liga-Topscorer legt im Schnitt 20,6 Punkte pro Spiel bei 46,8 Prozent Trefferquote aus dem Feld und eindrucksvollen 42,2 Prozent von der Dreierlinie und 90,7 (!) Prozent von der Freiwurflinie auf und trägt mit 3,4 Vorlagen pro Spiel auch einen Teil der Göttinger Playmaking-Last. Besonders in den letzten fünf Spielen schulterte Baldwin einen Bärenanteil der offensiven Verantwortung im Göttinger Team und lieferte beeindruckende 26 Punkte im Schnitt. Ihn zu stoppen, oder ihm das Scoring zumindest so schwer wie möglich zu machen, wird einer der Schlüssel für einen Heidelberger Erfolg in Göttingen sein.

Auch wenn Kamar Baldwin der herausragende Spieler im Kader der BG Göttingen ist, so funktioniert die Mannschaft von Roel Moers nicht als reine One-Man-Show, sondern ist ein Kollektiv mit klarer Rollenverteilung. Für die Punkteproduktion ist in erste Linie das US-Trio aus Kamar Baldwin (20,6 ppg), Jake Toolson (12,8) und Stephen Brown (12,1ppg, dazu 5,6 apg) zuständig, das von einem Kern deutscher Rollenspieler passend ergänzt wird, die vor allem defensiv anpacken, in Person von Akeem Vargas und Mathis Mönninghof aber auch von der Dreierlinie große Gefahr ausstrahlen. Generell ist die BG eine brandgefährliche Mannschaft von jenseits der Dreierlinie: 40,1 Prozent ihrer Dreierversuche verwandeln die Niedersachsen und befinden sich dabei im Ligadurchschnitt auf einem hervorragenden ersten Platz. Zum Vergleich: bei den Academics treffen im Schnitt nur 33,8 Prozent der Dreierversuche ihr Ziel, was immerhin für Platz 14 reicht.

MLP Academics Heidelberg wollen sich für ihre bisher bitterste Niederlage der Saison revanchieren Foto: Lukas Adler

So muss es für die Heidelberger darum gehen, defensiv die Kreise von Kamar Baldwin möglichst einzuschränken, ohne dabei die anderen Göttinger Dreierschützen zu sehr aus den Augen zu verlieren. Offensiv müssen die Kurpfälzer einen Weg vorbei an Philipp-Hartwich finden – der 2,18-Hüne in Göttinger Diensten ist mit 1,7 Blocks pro Spiel der beste Shotblocker der Liga und versteht es wie kaum ein anderer, die Würfe seiner Gegner zu verändern. Allerdings ist der 26-Jährige durchaus foulanfällig und begeht in seinen durchschnittlichen 14:54 Minuten Einsatzzeit ganze 3,6 Fouls. Sollten die Academics es schaffen, ihm schnelle Fouls anzuhängen ist der Weg unter den Korb frei, wo vor allem Brekkot Chapman seine körperlichen Vorteile ausspielen kann. Wer live mitverfolgen möchte, wie die Academics diesen Gameplan gegen die BG Göttingen umsetzen, kann das am Samstag live ab 17:45 Uhr bei MagentaSport tun.

 

 

Titelbild: cheesy.photo

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