21. Januar 2022

Offener Brief an die Fans

Liebe Fans,

nach dem Gewinn der Meisterschaft der Barmer 2. Basketballbundesliga ProA und dem damit verbundenen Aufstieg in die easyCredit BBL, war die Freude riesig. Die Frage blieb bestehen, ob wir neben der sportlichen Qualifikation für die BBL auch deren Standards würden erfüllen können. Die Sommermonate waren entsprechend arbeitsintensiv. Kein Stein blieb auf dem anderen und das Management-Team wurde in kürzester Zeit um drei weitere Mitarbeiter erweitert. Was viele nicht oder kaum für möglich gehalten hatten, wurde dann Realität. Die Lizenz wurde erteilt! Der Etat in kürzester Zeit verdreifacht.

Bezüglich des Interesses der Zuschauer stocherten wir weiterhin ein wenig im Dunkeln. Aufgrund der Corona-Pandemie fand unser Spielbetrieb anderthalb Spielzeiten ohne Zuschauer statt. Es fehlte die Möglichkeit, die Fanbasis mit teilweise begeisternden Live-Spielen im nagelneuen SNP Dome zu vergrößern, zu elektrisieren. Hatte man unseren Aufstieg überhaupt in der breiten Öffentlichkeit wahrgenommen?

Nach einem Sommer mit sinkenden Inzidenzen und gesteuert von einer Politik, die – die Bundestagswahl im Blick, in eine Entscheidungs-Schockstarre verfiel und mit gewohnt wenig Weitblick die Augen vor dem Unvermeidbaren, nämlich dem Anstieg der Zahlen im bevorstehenden Winter, verschloss, wogen auch wir uns in Sicherheit, die Tore in neuer Spielstätte, neuem Glanz und neuer Liga wieder für Zuschauer öffnen zu können.

Wir entschlossen uns also, den Verkauf der Dauerkarten zu starten und waren von der positiven Resonanz überwältigt. Die besten Plätze gingen trotz einer deutlichen Preissteigerung, die jedoch eine hohe Akzeptanz bei euch fand, schnell weg und in kürzester Zeit waren die ersten Blöcke ausverkauft. Doch leider war die Pandemie nicht vorüber. Im Gegenteil. Langsam stiegen die Zahlen im ganzen Land, die Impfkampagne stockte und die Zurückhaltung der Bürger*innen, sich in größere Menschenmengen zu begeben, kehrte zurück.

Knapp 1.900 Zuschauer wollten beim Heimauftakt gegen die MHP Riesen Ludwigsburg dabei sein und bekamen einen wahren Leckerbissen serviert. Mit nur sieben Spielern, von denen fünf in der vergangenen Saison noch in der ProA spielten, rangen wir den Favoriten mit 73:67 nieder und setzten ein Ausrufezeichen im Kampf um den Klassenerhalt. Die Euphorie erreichte ungeahnte Höhen und sorgte dafür, dass die Zuschauerzahl im folgenden Heimspiel gegen s.Oliver Würzburg bereits auf knapp 2.600 um fast 40 Prozent anstieg. Von Euch Fans in ungekannter Intensität und Lautstärke angepeitscht, erkämpften sich Frenki’s Jungs  den nächsten Sieg und manch einer wähnte sich in einem Traum, der niemals enden solle.

Die knappe, wie vermeidbare Niederlage gegen medi Bayreuth vor immerhin noch 2.500 Zuschauern bremste die Euphorie nur geringfügig. Längst hatten wir den Vorverkauf für die Spiele gegen Alba Berlin und Ratiopharm Ulm begonnen und es deutete sich an, dass der Dome seine ersten ausverkauften Spiele erleben würde. Was würden das für Basketball-Feste rund um die Weihnachtszeit werden?

Doch am Horizont drohte Ungemach. Diese verfluchten Zahlen wollten sich nicht stabilisieren, schossen regelrecht durch die Decke. Das Land Baden-Württemberg legte neue Determinanten fest, die darüber entscheiden sollten, ob und wie viele Zuschauer zu Sportveranstaltungen zugelassen werden sollten. Die Bürger*innen lernten wieder mal einen neuen Begriff. Die Hospitalisierungsinzidenz. Diese stieg rapide an und beförderte das Land rasend schnell in die sogenannte Alarmstufe. Das Ergebnis: zu Sportveranstaltungen wurden fortan nur noch 500 Zuschauer zugelassen.

Für uns und viele andere Sportvereine in der Region war das ein Schlag ins Gesicht. Nicht nur finanziell – pro Spiel entsteht ein knapp sechsstelliger Verlust, sondern auch in der Beziehung zu Euch, den Fans und so wichtigen Unterstützern! Wie sollten wir die Tickets verteilen? Schließlich hatten wir weit mehr als 500 Dauerkarten verkauft und waren nun zu einer Art „Ticket-Triage“ gezwungen. Sollten wir alle Dauer- und Tageskarten stornieren und eine Art „Rabbit-Run“ auf die Tageskarten zu jedem Spiel starten? First come, first serve? Sollten wir frühe Dauerkartenkäufer priorisieren?

Wir haben uns dazu entschlossen, nicht selbst zu entscheiden, wer kommen darf und wer nicht und haben ein Losverfahren etabliert, welches weitestgehend gut angenommen wurde. Hier und da gab es selbstverständlich enttäuschte Reaktionen von Euch, diese hielten sich aber in Grenzen. Uns war allerdings auch bewusst, dass die Stimmung nach der Verlosung der 500 Zutrittsberechtigungen zum Top-Spiel gegen die Bayern kippen könnte und die Anzahl der enttäuschten Reaktionen steigen würde.

Ich möchte an der Stelle betonen, dass wir für jede emotionale Reaktion vollstes Verständnis haben. Einige von Euch haben die Dauerkarte sicherlich auch deshalb erworben, um gerade in diesen Top-Spielen beste Plätze zu haben, nah dran zu sein, an den Stars des FC Bayern Basketball oder von Alba Berlin, während sie auf Augenhöhe mit unseren Heidelberger Jungs um jeden Quadratzentimeter auf dem Parkett kämpfen. Jetzt kommen wir daher, und nehmen Euch das Recht, für welches ihr bereits bezahlt habt, einfach so weg. Das ist nicht fair! Das sehen wir auch so.

Ihr könnt jedoch absolut sicher sein, dass es uns am allerwenigsten Spaß macht, diese Highlights nicht mit allen von Euch teilen zu können. Den SNP Dome bis auf den letzten Platz zu füllen und zu einem gefürchteten Hexenkessel zu machen. All das bleibt uns und auch den Spielern auf dem Parkett, die Euch wahrscheinlich am allermeisten vermissen, bis auf weiteres verwehrt.

Wir hoffen auf Euer Verständnis und darauf, dass wir Euch zeitnah alle wieder im Dome begrüßen dürfen!

Euer Matthias