29. Dezember 2022

Können die Academics in der „Freak City“ punkten?

Nach ihrem spektakulären „X-MAS SPECIAL“ gegen Bayern München in der SAP Arena kehrt nun für die MLP Academics Heidelberg jäh wieder der Bundesliga-Alltag ein. Es geht zum Jahresausklang nach Bamberg, wo die Academics in der easyCredit Basketball Bundesliga am 30.12.2022 (Sprungball um 20.30 Uhr) vom Altmeister Brose Bamberg erwartet werden. Das Spiel wird ab 20:15 Uhr live bei MagentaSport übertragen.

In dieser Begegnung geht es für beide Teams darum, Anschluss an das Mittelfeld der Tabelle zu finden. Heidelberg rangiert nach der unglücklichen Niederlage gegen Bayern München derzeit mit weiterhin vier Siegen und nun sieben Niederlagen auf Rang 13,  Bamberg mit erst drei Siegen und bereits acht Niederlagen auf Rang 14. Beide Mannschaften möchten das Jahr unbedingt mit einem Sieg abschließen. Um einen Schönheitspreis wird es in dieser Begegnung daher wohl kaum gehen. Gefragt sein werden hier vielmehr Kampfgeist und Wille!

Fans von Bamberg werden am morgigen Freitag sicherlich für ordentlich Stimmung in der Brose Arena sorgen. © Daniel Löb / Loeb

Die sehr reizvoll an der Pegnitz und dem Main-Donau-Kanal gelegene oberfränkische Kreisstadt ist nicht nur für ihren romanischen Dom, den Bamberger Reiter und das Rauchbier berühmt. Legendär ist vielmehr auch die Basketball-Begeisterung ihrer Bewohner, weshalb Bamberg in Basketball-Kreisen als „Freak City“ bekannt ist.
Auch im Spiel gegen die Academics ist damit zu rechnen, dass die Brose Arena Bamberg mit ihren 6.150 Plätzen gut ausgelastet sein wird. Sicher ist, dass sich die einheimischen Fans sehr lautstark bemerkbar machen werden.

Basketball-Legenden Wade und Simonovic

In Bamberg wird bereits seit 1955 Basketball gespielt. 1970 gelang dem 1. FC Bamberg der Aufstieg in die Bundesliga. Entwicklungshilfe leistete seinerzeit ein gewisser Hilar Geze, nachdem er 1973 dem USC Heidelberg zu dessen 8. Meisterschaft verholfen hatte. Viele Jahre begnügten sich die Oberfranken mit unteren Tabellenplätzen. Doch gelang es ihnen immer wieder, hochkarätige ausländische Spieler zu verpflichten, etwa die Bamberger Basketball-Legende Jim Wade, der in der Saison 71/72 Korbschützenkönig wurde und mit 45 Punkten in einem Spiel einen neuen Bundesliga-Rekord aufstellte. In der Saison 76/77 toppte der Serbe Ljubodrag Simonović dann beide Rekorde, indem er in einem einzigen Bundesliga-Spiel 55 Punkte erzielte und ebenfalls Korbschützenkönig wurde.

Andreas Obst (links) und Brad Wanamaker 2014/15, als Brose Bamberg deutscher Meister wurde. © Daniel Löb / Loeb

35 Jahre nach ihrem Bundesliga-Aufstieg übernahmen die Bamberger für gut ein Dutzend Jahre die Spitze des deutschen Basketballs. 2005 errangen sie ihre erste Deutsche Meisterschaft und ließen bis 2017 weitere acht folgen, so dass sie mit insgesamt neun Titeln mit dem Altmeister USC Heidelberg gleichzogen. Zudem gewannen die Oberfranken bis 2019 sechs Pokalmeisterschaften.
Doch wachsen auch in der „Freak City“ die Bäume nicht in den Himmel. Die Hauptstadt-Clubs aus München und Berlin geben nun in der BBL den Ton an, und die Oberfranken bewegen sich zum Verdruss ihrer erfolgsgewohnten Fans im unteren Tabellenbereich.
Doch verfügen die Domstädter noch immer über einen starken Kader.

Bamberger Wechselspiel

Für Gesprächsstoff im Bamberger Basketball-Lager sorgte Ende Oktober die Entlassung des erst im Sommer verpflichteten Point Guards Justin Wright-Foreman. Der Amerikaner war zwar mit 15,4 Punkten/Spiel Topscorer der Bamberger, hatte jedoch nach Ansicht der Verantwortlichen zu eigensinnig agiert und musste daher nach nur fünf Spielen wieder gehen.
Für Wright-Foreman rückte gleich Anfang November sein 30-jähriger Landsmann Patrick Miller nach. Der neue Führungsspieler ist nun zweitbester Korbschütze der Oberfranken und liefert durchschnittlich 13 Punkte, 3,5 Rebounds, 4,5 Assist und 1,5 Steals pro Spiel.
Eine feste Größe im Bamberger Team ist bereits seit 2019 der 27-jährige Nationalspieler Christian Sengfelder, der dem deutschen Team bei den Europameisterschaften 2022 zum dritten Platz verhalf. Im Trikot der Freak City ist er nach dem Abgang von Wright-Foreman nun mit 13,7 Punkten/Spiel der erfolgreichste Werfer. Er holt mit durchschnittlich 5,5 auch die meisten Rebounds und steht mit gut 30 Minuten am längsten auf dem Parkett.
Schon seit 2015 spielt der 30-jährige deutsche Small Forward Patrick Heckmann in Bamberg, unterbrochen allerdings durch ein dreijähriges Intermezzo in Ulm. Mit knapp 19 Minuten und 5,5 Punkten/Spiel ist er einer der bedeutendsten Rollenspieler des Teams.

Wichtige Neuverpflichtungen der Bamberger zur Saison 2022/2023 sind der litauische Point Guard Vaidas Kariniauskas, die Shooting Guards Jaromir Bohačík (Tschechien), Amir Bell und Spencer Reaves (beide USA), der deutsche Small Forward Kevin Wohlrath (zuvor Bayreuth) sowie die Center Solomon Young (USA) und Gabriel Chachashvili (Israel), die allesamt für 7-10 Punkte/Spiel gut sind.

Jaromír Bohačík war europäischem Parkett gegen Keravnos BV mit 26 Punkten Topscoer. © Daniel Löb / Loeb

Brose Bamberg ist nach wie vor auch auf europäischem Parkett unterwegs. In der Zwischenrunde des FIBA Europe Cups siegten sie kurz vor Weihnachten bei Keravnos BC (Zypern) mit 90:87. Jaromír Bohačík war mit 26 Punkten der beste Korbschütze der Oberfranken, die allerdings auf die angeschlagenen Spieler Patrick Miller, Tyreese Blunt und Kevin Wohlrath verzichten mussten.

Im Vorjahr unterlagen die Heidelberger nach einem lange ausgeglichenen Spiel den Gastgebern mit 68:72. Im heimischen SNP Dome hatten die Academics jedoch in einer schwachen Tagesform beim Rückspiel mit 81:94 keine Siegeschance.
Der bisherige Saisonverlauf mit lediglich drei Siegen aus 11 Spielen entspricht keineswegs den Erwartungen der Oberfranken und ihrer Fans. In den letzten drei Spielen unterlagen die Bamberger zu Hause gegen die Syntainics MBC (90:98), in Göttingen (79:95) und zuletzt beim Oberfranken-Derby in Bayreuth mit 86:92. Besonders die Heimniederlage gegen den MBC schmerzt.
Immerhin konnte Bamberg die in Keravnos fehlenden Spieler Miller und Wohlrath in Bayreuth wieder einsetzen. Dort punkteten Young (17), Miller (15), Heckmann (14), Bell (11) und Sengfelder (10) jeweils zweistellig. Gegen Heidelberg werden die Bamberger wohl mit einem vollständigen Kader antreten können.

Derweil werden die Academics in den nächsten Wochen mit einem reduzierten Kader auskommen müssen, nachdem sich bestätigt hat, dass Niklas Würzner sich bei seinem unglücklichen Sturz am Dienstag das rechte Handgelenk gebrochen hat und voraussichtlich 10 Wochen pausieren muss.

Im Teamvergleich fällt auf, dass Heidelberg zwar die etwas bessere Zweierquote (58,5 zu 56,8%) aufweist, jedoch in der Dreier- (31,1 zu 34,9%) und in der Gesamtquote (44,8 zu 47,1%) nicht mithalten kann. Bei den Rebounds liegen die Gastgeber mit 37,4 gegen 33,5/Spiel klar vorne, sind überhaupt eines der besseren Reboundteams der Liga. Auch verzeichnen die Oberfranken mit 18,9 zu 15,6 mehr Assists und leisten sich mit 12,7 zu 14,9 weniger Ballverluste als ihre Gäste. Bei Steals (6,3 zu 5,4) und Blocks (2,4 zu 1,4) führen indes die Kurpfälzer. Deutlich besser ist Bamberg wiederum in der Effektivität (96,4 zu 87,9) und in der Plus/Minus-Rate (minus 2,7 zu minus 4,7).

Alex Vogel, sportlicher Berater der MLP Academics Heidelberg:
„Bamberg hat auf dem Papier natürlich deutlich mehr Klasse als es die aktuelle Bilanz vermuten lässt. In Patrick Miller haben sie einen Point Guard geholt, der dem Team nun mehr Struktur gibt. Allgemein verfügen sie offensiv über große individuelle Qualität, wollen aber auch den Ball laufen lassen. Dazu haben sie große Stärken beim defensiven Rebound. Für uns wird es eine große Herausforderung, der wir allerdings positiv entgegenblicken. Wir müssen mit der gleichen Energie spielen wie zuletzt gegen die Bayern und vorne die richtigen Optionen finden.“

Titelbild: Hylke van der Zweep trifft auf alte Bekannte. Er war von 2020 bis 2021 Co-Trainer in der „Freak City“. © cheesy.photo

Text: Peter Wittig
MLP Academics Heidelberg
Kommunikation und Medien