17. Oktober 2021

Großer Kampf nicht belohnt

Mit 72:68 verlieren aufopferungsvoll kämpfende MLP Academics Heidelberg bei Brose Bamberg. Über 40 Minuten konnten die Gäste zwar nie die Führung übernehmen, waren aber denkbar knapp dran an einem Sieg vor stimmungsvoller Kulisse in der Brose Arena. Eine Freiwurfquote von gerade einmal 38% und eine zu passiv agierende Verteidigung in der ersten Halbzeit, ließen die Hypothek jedoch zu groß werden, weshalb eine Energieleistung im zweiten Durchgang nicht ausreichte, um die Punkte mitzunehmen.

Die positive Nachricht vorneweg: mit Kelvin Martin kehrte die nächste wichtige Stütze ins Team. Somit fehlte lediglich noch Albert Kuppe (gebrochener Finger), da auch Rob Lowery nach krankheitsbedingter Abwesenheit wieder ins Spielgeschehen eingreifen konnte. Frenki startete jedoch mit Würzner, Geist, Ely, Ugrai und Chapman und bot wie schon so oft in dieser Spielzeit eine Small-Ball Lineup ohne echte Center auf. In der Anfangsphase wirkte die Mannschaft jedoch nicht wach genug, gar verunsichert.

Trotz mäßiger Leistung in Schlagdistanz

Im Angriff waren es einige unerklärliche Ballverluste, die das Heidelberger Spiel prägten. Der Knackpunkt war jedoch in dieser Phase die kaum vorhandene Verteidigung. Angetrieben vom ungestört wirbelnden Justin Robinson (10 Assists), konnten Löcher in die Defense gerissen werden, die die Bamberger durch schnelles und dennoch geordnet wirkendes Passspiel zu nutzen wussten. Lediglich die Wurfquoten hätten durchaus noch höher ausfallen können. Zwar trafen die Oberfranken 47% ihrer Dreipunktwürfe (1. Halbzeit), gefühlt hätten es durchaus mehr sein können.

Neben der hohen Dreierquote trafen die Hausherren auch 60% ihrer Würfe aus dem Zweipunktbereich, was vor dem Hintergrund der starken Orientierung auf die Verteidigung für Coach Frenki kaum hinnehmbar gewesen sein dürfte. Dass zur Halbzeit „nur“ 45 Punkte auf der Habenseite standen, lag an den zahlreichen Ballverlusten der Bamberger, die ihrerseits teilweise unkonzentriert wirkten. In die Halbzeitpause ging es folgerichtig mit einem 45:35 Rückstand.

Mit hoher Hypothek in die zweite Halbzeit

Die zweite Halbzeit begann, wie die erste verlief. Immer, wenn man dachte, dass es gelingen könnte den Vorsprung in den psychologisch wichtigen einstelligen Bereich zu bekommen, hatte Bamberg die richtige Antwort parat. Lockart, Geben und der von außen brandgefährliche Prewitt sorgten beim 57:42 für die höchste Führung des Spiels. Wer es mit den Heidelbergern hielt, musste hier Schlimmstes befürchten, doch es kam anders. Die Academics zeigten das, was man von ihnen erwarten konnte. Eine aggressive Verteidigung am Ball und schnellere Rotationen ermöglichten immer wieder leichte Punkte durch Fastbreaks.

Stück für Stück arbeiteten sich die Kurpfälzer heran. Zwar sorgte ein erfolgreicher Freiwurf von Chapman (am Ende 1/4 Freiwurfquote) zum Ende des dritten Viertels beim Stand von 60:49 scheinbar nur für eine Ergebniskosmetik. In der Halle war sich die Mehrheit der Brose-Fans immer noch sicher, dass hier nichts mehr anbrennen würde. Die Gäste hatten hingegen beschlossen, sich nicht so einfach geschlagen zu geben.

Mit 19 Punkten Topscorer der Partie, Shyron Ely (Foto: Thomas Disqué)

Wie ausgewechselt wirkten die Academics nun. Wer einen Beweis dafür suchte, wurde bei Kelvin Martin fündig, der sowohl verbal den Fans der Oberfranken als auch physisch den Spielern auf dem Feld mitteilen wollte: so nicht meine Freunde. Es gelang Martin auch in dieser Phase beileibe nicht alles. Doch seine Kampfansage entfachte einen Funken, der das Feuer in seinen Mitspielern entfachte. Die Gastgeber wirkten ob der Physis auf dem Feld verunsichert, was in schweren Würfen und weiteren Ballverlusten resultierte.

Es waren noch 3:41 Minuten zu spielen, als Osasu Osaghae mit einem seiner zahlreichen spektakulären Dunkings auf 66:63 verkürzte und die Halle wie scheinbar auch den Gegner schockte. Der Turnaround schien zum Greifen nah. Als Sengfelder im folgenden Angriff den Ball verlor, war sie plötzlich da. Die Chance zum ersten Ausgleich des Spiels. Wer würde nun Verantwortung übernehmen? Der insgesamt wechselnd agierende Niklas Würzner war es, der das Zepter in die Hand nehmen wollte, jedoch nur zu einem schwierigen Wurfversuch kam. Doch die Heidelberger haben ja Osaghae, der nach einem Offensivrebound (am Ende waren es sechs Stück) nur noch durch ein Foul gestoppt werden konnte.

Der Sieg so nah, und doch so fern

Es passt zu diesem Abend, dass beide Freiwürfe ihr Ziel verfehlten. Eine erfahrene Mannschaft wie Bamberg lässt sich dann in eigener Halle nicht zweimal bitten. Anstatt auf einen Punkt zu verkürzen, schraubte Heckmann die Führung zunächst auf fünf dann auf sechs Punkte hoch. Das Momentum hatte wieder die Seiten gewechselt. Wenig beeindruckt schien jedoch Shyron Ely, der per Dreier auf 70:67 (1:10 Minuten zu spielen) verkürzte. Wieder schien die Wende im Bereich des Möglichen, als Heckmann zu hart gegen Würzner aufpostete und sich somit ein Offensivfoul abholte. Gerade mal 23 Sekunden waren noch zu spielen, als Würzner das nächste Foul zog und an die Linie durfte. Der aufmerksame Leser kann sich denken, was nun folgte. Auch er konnte nur einen verwandeln, während Heckmann auf der Gegenseite nach „Stop the Clock“ Foul beide Freiwürfe versenkte und somit für die Entscheidung sorgte.

Wenn man als Aufsteiger zum ungeschlagenen Spitzenteam aus Bamberg reist, erwartet keiner einen Sieg. Auch eine deutliche Niederlage muss kein Beinbruch sein. Heute bleibt jedoch das Gefühl, dass mehr möglich gewesen wäre. Dennoch werden die mitgereisten Fans und die Zuschauer am Livestream zustimmen, dass diese Mannschaft Stolz und Kampfgeist hat und nie aufgeben wird. Apropos Fans: einige von Ihnen fanden den Weg in die „Frankenhölle“ und versuchten alles, um auf sich aufmerksam zu machen und die Mannschaft zu unterstützen. Dafür gilt großer Dank!