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1. Oktober 2012

Gekämpft und doch verloren

Gleich das erste Spiel der neuen Saison 2012/2013 endete für die MLP Academics Heidelberg bitter. Nach einer sensationellen Aufholjagd – Gegner Essen war im letzten Viertel 17 Punkte vorne – eroberten sich die Heidelberger durch einen Freiwurf von Kai Barth 17 Sekunden vor der letzten Sirene die Führung zurück. Der überragende Power Forward bei Essen, Logan Stutz, traf darauf einen Wurf aus etwa zwei Metern, Clint Sargent vergab die allerletzte Möglichkeit. Die Partie endete 86:87. Schade! Lange ist es schon her, dass die Neckarriesen ihr erstes Spiel gewinnen konnten.

Ganz besonders engagiert begannen die Schützlinge von Cheftrainer Tony Garbelotto, sich aufzuwärmen. Richtig „hungrig“ wollten sie sich präsentieren, die neubenannten Akademiker. Mit den neuen Cheerdancern, die beim Einlaufen Spalier standen und in den Pausen ihre Tanzkünste vorführten, wurde der Veranstaltung ein besserer Eventcharakater gegeben. Sie werden wenn möglich ab sofort immer bei den Heimspielen dabei sein.

Heidelberg begann mit Komarek, Dixon, Rohde, Sargent und Heindel. Bei Essen starteten Henley, Buljević, Christen, Cook und Stutz. Das Aufeinandertreffen begann etwas zerfahren, es dauerte knapp zwei Minuten, bis die Teams ins Spiel fanden. Point Guard Jermaine Dixon markierte die Punkte drei und vier für die Academics. Ein Dreipunktspiel von Logan Stutz ließ Essen aber zunächst davonziehen (4.). Janis Heindel traf einen Dreier zum 9:11 (6.). Der eingewechselte Kristian Kuhn brachte die Academics mit 13:11 in Führung (7.). Diese konnte in der Folgezeit ausgebaut werden. Nach dem ersten Viertel war man bereits auf elf Punkte enteilt.

Ein wenig unkonzentriert gingen die Kurpfälzer im zweiten Viertel zu Werke. Wie ein Scheunentor wirkte der eigene Korb, vorne ließ die Wurfquote nach. Janis Heindel sorgte mit einem Korbleger seinerseits dafür, dass Essen nicht ganz so einfach wieder rankam. Terren Harbut holte in der 17. Minute trotzdem die Führung für Essen zurück. Es blieb jetzt eng: Defensiv wie offensiv sah man ein attraktives Basketballspiel. Die vermeintlich einfachen Korbleger fielen bei den Akademikern nicht durch den Korb, Garbelotto nahm 25 Sekunden vor der Halbzeit nochmal eine Auszeit. Mit drei Punkten führte seine Mannschaft, als sie in die Kabine durfte.

Schwaches drittes Viertel

Die besten Werfer waren Dixon (12 Punkte) und Harbut (11) zu diesem Zeitpunkt. Auf in die zweite Hälfte! Jermaine Dixon musste schnell vom Feld als er bereits in der 22. Minute sein viertes Foul beging. Spätestens nach einem Dunking von Logan Stutz war Garbelotto bedient und wechselte Kristian Kuhn ein. Der bullige Harbut brachte die Führung wieder auf die Seite der Gäste und schraubte sie weiter nach oben. 48:57 stand es in der 26. Minute. Es lief nun nichts mehr bei den Academics. Stutz forcierte dann noch ein Offensivfoul von Heindel. In der 30. Minute traf Heindel nach Alleingang per Korbleger, gleich darauf fing Clint Sargent einen Pass ab, Dixon netzte zum 58:68 ein. Die Halle war wieder zu hören! Carsten Bartels traf dennoch einen Distanzwurf im letzten Angriff des Viertels, mittlerweile 13 Zähler waren die Academics in Rückstand. Kai Barth traf einen ganz wichtigen Dreier zum 65:73 (33.). Der vermeintliche Gamewinner kam dann ebenfalls von Bartels, 65:82 war Essen durch seinen Dreier in der 34. Minute in Front. Game over …. vermeintlich.

Was dann geschah, hätte niemand in der Halle für möglich gehalten. Die Academics spielten sich in einen Rausch, dem die Baskets nichts entgegenzusetzen hatten. Scoren, pressen, Ball gewinnen – und das mehrere Male. Sargent, Rohde, Zipser, Barth und von Fintel arbeiteten wie verrückt und brachten ihre Farben kurz vor Schluss nochmal mit einem Punkt in Führung. Wahnsinn! Die Halle kochte, man konnte den Sieg schon riechen! Umso tragischer dann der tolle Wurf von Logan Stutz, der die Gäste jubeln ließ…. und diese als letztlich verdiente Sieger die Heimreise antreten lassen konnten.

Der Blick auf die Statistiken zeigt die Realität – selbst nur 54 % aus der Nahdistanz getroffen, der Gegner dagegen 68 %. So half es auch nichts, dass Heidelberg 13 Feldwürfe mehr hatte als Essen. Im spielentscheidenden dritten Viertel kassierten die Academics 34 Punkte; das spricht Bände.

Stimmen zum Spiel

Sichtlich bedient waren alle, allen voran jedoch der hauptamtliche Manager Matthias Lautenschläger und Headcoach Garbelotto. „Ich verstehe nicht, wie man sich über zwei Viertel hinweg derart vorführen lassen kann. Irgendwie kann es nicht sein, dass unsere Gäste in unserer eigenen Halle, in der wir jeden Tag trainieren, bereiter sind als wir selbst. Das haben wir uns anders vorgestellt“ sagte Lautenschläger beispielweise. Der Coach betonte folgendes: „Dass das letzte Play mit Clint Sargent nicht geklappt hat, nehme ich auf meine Kappe. Da wollten wir eigentlich etwas anderes machen. In Zukunft werden wir daran arbeiten, was diese Mannschaft auch ausmachen soll, was ihre größte Charaktereigenschaft sein soll: Willen, Entschlossenheit und ein hartes Spiel.“

In den letzten Wochen fügte sich ein neuer Spieler in den Academics-Kader ein. Kelvin Okundaye, ein 19-jähriger, der ursprünglich aus Lörrach kommt. Er spielte NBBL am Schloss Hagerhof in Rhöndorf und war letztes Jahr noch für Speyer in der 1. Regionalliga aktiv. „Coach Carl“ Mbassa wollte ihn nun auch in Heidelberg haben. Okundaye sagte nach dem Spiel: „Wir hatten noch zu viele schlechte Phasen, zeitweise schien es auch so, als würde uns der Glaube fehlen. Wir brauchen mehr Konstanz.“

Derselben Meinung waren auch Jermaine Dixon, Taylor Rohde und Devin White. Wenn man sich bei ihnen umhörte, hieß es von allen Seiten: „Wir müssen über 40 Minuten guten Basketball spielen!“. „Dann wird es viel schwerer, uns zu schlagen. Ganz besonders, wenn das Publikum hinter uns steht.“, sagte Rohde.

Über die Knieverletzung von Jermaine Dixon kann man inzwischen so viel sagen: Er konnte zwar wieder spielen,speziell im letzten Viertel jedoch war unschwer zu übersehen, dass ihn diese Verletzung bei jedem Schritt einschränkte. Selbst will er jetzt angreifen, ob es funktioniert weiß man nicht. Auch Devin White ist wieder im Training, wird aber alles – laut eigener Aussage – langsam angehen.

Bereits am kommenden Sonntag ist das nächste Heimspiel gegen Crailsheim. Gibt es dann die ersten Punkte für Heidelberg? Die Mannschaft wird alles dafür tun.

TOGETHER WE PLAY!

MLP Academics Heidelberg – ETB Wohnbau Baskets Essen: 86:87 (25:14, 15:23, 18:34, 28:16)

Heidelberg: Dixon 17, Rohde 17, Heindel 14, Zipser 12, Barth 10, Kuhn 7, Sargent 6, Komarek 3, von Fintel – Okundaye.

Essen: Stutz 25, Harbut 24, Bartels 11, Henley 10, Buljević 7, Cook 5, Henrichs 2, Massing 1.

Robin Herbert