13. Januar 2023

Eine Frage der Nerven

Verlieren zehrt an den Nerven. Und es macht ein Team mindestens genauso verrückt, wenn man zwar reichlich Lob einheimst, aber seit Wochen als zweiter Sieger das Parkett der easyCredit Basketball Bundesliga verlässt. Fünf Niederlagen in Serie bedeuten für die MLP Academics Heidelberg eine sportliche Krise, die sich am besten mit einem Erfolgserlebnis beenden lässt. Zum letzten Mal gewannen die „Akademiker“ am 10. Dezember gegen die Basketball Löwen Braunschweig (95:79), seitdem wollen die Rädchen nicht mehr richtig ineinander greifen. Nun erwarten die Heidelberger am Sonntag (15 Uhr, live bei MagentaSport ab 14.45 Uhr) im SNP dome den Tabellen-17. medi Bayreuth, der einen Sieg weniger als die Academics auf dem Konto zu verbuchen hat. Ergo: Ein wichtiges, brisantes Kellerduell wartet am 15. Spieltag auf die Nordbadener und Oberfranken, das auf des Messers Schneide stehen dürfte.

Strenggenommen kann sich keine der beiden alten Basketball-Hochburgen Deutschlands einen weiteren Patzer erlauben. Der neunfache Ex-Rekordmeister vom Neckar möglichst nicht – und der nationale Champion von 1989, seinerzeit unter dem Namen Steiner Bayreuth firmierend, noch viel weniger. Zumal es am Wochenende zu weiteren direkten Aufeinandertreffen gefährdeter Teams kommt: Schlusslicht Braunschweig empfängt am Samstag Brose Bamberg, zeitgleich zum Academics-Spiel messen sich die FRAPORT Skyliners und die HAKRO Merlins Crailsheim in der „Süwag Energie ARENA“ von Frankfurt-Höchst. Soll heißen: Die letzten Sechs des aktuellen Tableaus sind an diesem Wochenende unter sich!

Joonas Iisalo: „Wir müssen Konstanz aufbauen“

„Wir müssen Konstanz aufbauen,“ sagt Joonas Iisalo.

Für Headcoach Joonas Iisalo gibt es keinen Grund, warum seine zuletzt gebeutelte Mannschaft nicht an die bereits gezeigten Leistungen anknüpfen sollte. Dazu bedarf es unterdessen einer klaren Steigerung in einem Teilsegment, das meist über Wohl und Wehe entscheidet. „Das Hauptproblem ist unsere Defense oder noch mehr der Mangel an Defense gewesen. Wir müssen Konstanz aufbauen“, sagt der 37-jährige Finne, „du kannst einzelne Spiele mit der Offense gewinnen, aber Defense und Reboundverhalten machen aus dir ein Gewinnerteam.“
Die Schwierigkeiten waren zuletzt unübersehbar. Beim 85:92 bei den MBC-„Wölfen“ war es so, in Bamberg (74:101), phasenweise gegen Hamburg (83:87) und vor allem in Crailsheim (93:102) ebenfalls. Das wirklich bockstarke Match gegen den FC Bayern München (83:87) in der SAP Arena sei an dieser Stelle ausgeklammert. Die MLP Academics bekamen die „Scharfschützen“ der jeweiligen Kontrahenten nicht in den Griff, gestatteten diesen zu viele Freiräume vom Dreier, sodass selbst eine ansonsten passable bis gute Statistik nicht den erhofften Wirkungseffekt erzielte.
Was macht die Abteilung Attacke der Academics? „Wir sind einfach in einer kleinen Schusskrise“, sagte Joonas Iisalo dem mitgereisten RNZ-Redakteur Nikolas Beck, der Heidelbergs verunsicherten Korbjägern Chancenlosigkeit in der Crailsheimer „Stierkampfarena“ attestierte. 16 Prozent Dreierquote gegen die Türme aus Hamburg, 31 Prozent bei den Merlins, diese Zahlen machen Siege, gepaart mit den genannten Nachlässigkeiten in der Verteidigung, nahezu unmöglich.

Bennet Hundt soll für mehr Balance sorgen

Niki Würzner gegen Bennet Hundt im Hinspiel im SNP dome Academics vs. Oldenburg. Foto: cheesy.photo

Iisalo gibt sich kämpferisch – und das ist die beste Herangehensweise. „Wenn wir mehr Stopps der Gegner schaffen, dann werden wir mehr Gelegenheiten für Fastbreaks und dergleichen bekommen“, sagt er. Der Academics-Headcoach freut sich darüber, dass er mit Neuzugang Bennet Hundt (24 Jahre, Trikotnummer 4) aus Oldenburg über eine weitere personelle Alternative im Spielaufbau verfügt. Die ersten Trainingseindrücke von Bennet seien hervorragend, das gesamte Team habe den neuen Playmaker mit offenen Armen empfangen. „Er lernt sehr schnell“, so Iisalo über einen tadellosen Profi, „Bennet ist sehr fokussiert und legt sich mächtig ins Zeug.“ Hundt bringe aufgrund seiner Fähigkeiten des Ballhandlings und Kreierens von Spielsituationen „Balance fürs Team“. Joonas Iisalos Schlussfolgerung: „Nun haben wir andere Jungs an den jeweils richtigen Stellen.“
Unklar ist noch, ob der verletzte Amerikaner Bryan Griffin gegen Bayreuth wieder eingreifen kann oder eben nicht. Der „bullige“ Center am Brett hat im Training noch nicht voll belastet. Es wird eng für seinen Einsatz – kann Griffin die Schmerzen im Sprunggelenk tolerieren?
Die Gäste aus der Wagnerstadt haben in den bisherigen Partien oft sehr lange mitgehalten. Aus den letzten zehn Spielen konnten sie nur das Frankenderby gegen Brose Bamberg (92:86) für sich entscheiden. Geschäftsführer Johannes Feuerpfeil hat sich deswegen in einem längeren Statement und flammenden Appell unlängst direkt an die Fans gewandt. Man habe gewusst, dass es eine sehr herausfordernde Saison und es „in erster Linie um den Klassenerhalt gehen wird“, sagt Feuerpfeil. Die Mannschaft habe gute Spiele gezeigt, doch schlussendlich habe „das notwendige Glück gefehlt.“ Ein Wachrüttler und Mutmacher für das aktuelle Team sowie für die traditionell enthusiastische Fangemeinde.

Vogel warnt: Bayreuth kann „extrem heiß laufen“

Bayreuth kann extrem heiß laufen. Foto: Ochesnfoto

Die Mannschaft des deutschen Trainers Lars Masell (41), Nachfolger des inzwischen in Hamburg entlassenen Österreichers Raoul Korner, ist tief und relativ ausgeglichen besetzt. In Brandon Childress (15,2 Punkte), Ahmed Hill (11,6), Jackson Rowe (11,2) und Ignas Sargiunas (10,5) haben die Bayreuther ihre gefährlichsten Scorer, in Routinier Bastian Doreth einen unaufgeregten Spielorganisator.
Überhaupt kein Grund, den Tabellenvorletzten auf die leichte Schulter zu nehmen. Im Gegenteil. „Bayreuth ist ein direkter Konkurrent im Kampf gegen den Abstieg. Sie haben Spieler wie Childress und Hill, die extrem heiß laufen können“, sagt Heidelbergs Sportlicher Leiter Alex Vogel über die Ausgangskonstellation und den Gegner.
Wie alle Anhänger der MLP Academics hoffen Joonas Iisalo und Alex Vogel, die sich gerade in diesen Tagen sehr intensiv austauschen, auf den SNP dome als Heimbastion und eine Kulisse von mehr als 3.000 Zuschauern, die die Mannschaft von der ersten Sekunde an lautstark unterstützt und psychologisch trägt. „Wir selbst müssen in der Verteidigung besser stehen und geschlossen als Team auftreten. Wenn wir das packen, bin ich mir sicher, dass der Turnaround gelingen wird“, ergänzt Alex Vogel.
Einen zusätzlichen Kick soll das Mitwirken und Debüt im Academics-Dress von Bennet Hundt geben. „Bennet wird uns wichtige Minuten auf der Position eins geben. Wir freuen uns sehr, dass er nun dabei ist“, zeigt sich Alex Vogel bezüglich der anvisierten Trendwende optimistisch.
Das sonntägliche Duell, das wissen alle Teamsportfreunde und Basketballkenner, ist eine Frage der – stärkeren – Nerven.

Hinweis für Sonntagnachmittag

Vor dem Sprungball um 15 Uhr möchten wir die Zuschauer darauf hinweisen, rechtzeitig zu kommen, um lange Wartezeiten zu vermeiden. Die Tageskasse öffnet um 13.30 Uhr. Tickets für Ermäßigte gibt es ab 5 Euro.

Text: Joachim „Jogi“ Klaehn
MLP Academics Heidelberg
Kommunikation und Medien