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7. März 2014

"DJL als Taktgeber und Dienstleister"

Zunehmende Professionalisierung, die Zusammenarbeit mit der Beko BBL, Stellenwert des Unterbaus und Namensänderungen. Zu all diesen Themen standen der Vorsitzende des Aufsichtsrats Hansjörg Tamoj und DJL-Geschäftsführer Daniel Müller Rede und Antwort.

Seit einem halben Jahr befindet sich die Geschäftstelle der 2.Basketball-Bundesliga in den Büroräumen der Beko BBL in Köln. Wie beurteilen Sie die „neue“ Zusammenarbeit mit der Beko BBL?

Hamoj: Sehr positiv und konstruktiv. Wir sind vor sechs Monaten nicht nur in eine neue Geschäftsstelle umgezogen, sondern haben auch in einer anderen Personalzusammensetzung, insbesondere mit unserem neuen Geschäftsführer Daniel Müller, die Arbeit in Köln aufgenommen. Seither gibt es eine Vielzahl von Abstimmungsprozessen zwischen den Mitarbeitern beider Ligen, welche nicht nur die Zusammenarbeit, sondern auch die Entwicklung der 2. Basketball-Bundesliga fördern. Gleichzeitig ist feststellbar, dass wir unsere Arbeitsschwerpunkte verändert haben.

Können Sie das an einem Beispiel konkretisieren?

Tamoj: Im Zuge der fortschreitenden Professionalisierung der Beko BBL reicht es längst nicht mehr aus, den Spielbetrieb zu administrieren. Wir müssen uns als Liga-Organisation als Taktgeber und Dienstleister für die beiden Spielgruppen ProA und ProB verstehen. Unser Ziel muss es sein, Standards und Gütesiegel zu entwickeln, die einerseits von den Vereinen umgesetzt werden können und sich andererseits in der Außendarstellung bemerkbar machen. Dazu gehört auch, dass man sich über die Bezeichnung „2. Basketball-Bundesliga“ mit den Spielgruppen „ProA“ und „ProB“ intensiv Gedanken macht. Meines Erachtens geht diese Begrifflichkeit an den Realitäten vorbei.
Eine Zweite Liga ist der Unterbau der Ersten Liga. Es geht um Auf- und Abstieg. Welche zusätzlichen Inhalte sollen in einer solchen Liga eine Rolle spielen?

Müller: In der Tat ist die 2. Basketball-Bundesliga der Unterbau der Beko BBL. Es stellt sich aber die Frage, ob dies für die ProA und ProB gleichermaßen gilt. Die Verzahnung zwischen der ProA und der Beko BBL ist deutlich enger und wird durch die Durchlässigkeit, also den Auf- und Abstieg, dokumentiert.
Die ProA mit ihrem immer besser werdenden Umfeld bereitet die Clubs auf den Aufstieg vor, gleichzeitig sorgt sie dafür, dass Beko BBL-Absteiger in einer professionellen Umgebung einen erneuten Anlauf in Richtung Erste Liga nehmen können -, ohne die wirtschaftliche Basis zu verlieren. Die Qualität der ProA zeichnet sich, neben der sportlichen Güte, auch durch wichtige infrastrukturelle Rahmenbedingungen aus. Dazu gehören beispielsweise ein hauptamtliches Management, eine erstligataugliche Halle und eine an der Schwelle zur Ersten Liga stehende professionelle Öffentlichkeitsarbeit. Als Taktgeber, und weil wir davon überzeugt sind, dass wir uns dadurch weiterentwickeln, sollten wir durchaus ambitioniert an die Dinge herangehen. Gemeinsam, mit den Clubs. Wir haben im vergangenen Jahr Standards festgelegt, die die genannten Punkte in den Vordergrund stellen und die in den kommenden Jahren immer mehr an Bedeutung gewinnen werden. Unser Ziel muss sein, den Anschluss der heutigen ProA an die Beko BBL zu halten, die nach meiner Einschätzung ihr Ziel, im Jahre 2020 die beste nationale Liga in Europa zu sein, erreichen wird. Wenn man es salopp formulieren möchte, dann sollte die ProA im Jahr 2020 die beste Zweite Liga in Europa sein.

Angesichts dieser Entwicklungen: Was für einen Stellenwert genießt die ProB?

Tamoj: Einen sehr hohen. Die ProB ist Bestandteil des pyramidalen Aufbaus und nach meiner Überzeugung auch auf Dauer Bestandteil des professionellen Basketballs in Deutschland. Wir müssen aber erkennen, dass die ProB nicht mit den gleichen Maßstäben gemessen werden kann wie die ProA. Aktuell können wir nicht davon ausgehen, dass sich in Deutschland 40 Bundesligisten gleichzeitig darum bemühen, den Aufstieg in die Beko BBL zu realisieren. An einigen Standorten ist die Beko BBL auch unter strukturellen Gesichtspunkten keine oder nur eine sehr vage Option. Diese Standorte leisten gleichwohl einen wichtigen und substanziellen Beitrag für die Entwicklung des Profi-Basketballs.

Müller: Aus unserer Sicht sollte das Hauptaugenmerk in der ProB darauf gerichtet sein, junge Basketballtalente auszubilden, zu fördern und ihnen ausreichend Einsatzzeiten zu ermöglichen. Zahlreiche Beko BBL-Clubs kooperieren bereits mit ProB-Bundesligisten oder haben dort eigene Farmteams etabliert – mit dem Ziel, den zweifelsohne vorhandenen Nachwuchs auf höhere Aufgaben vorzubereiten. Diese Entwicklung begrüßen wir ausdrücklich. Daraus ergibt sich aus unserer Sicht, dass wir im ProB-Lizenzierungsverfahren Nachwuchsstandards festlegen, die in erster Linie der Förderung des Nachwuchses Rechnung tragen.

Ein Blick in die Hallen der ProB zeigt aber, dass gerade an den Nachwuchsstandorten mitunter das Zuschauerinteresse ausbaufähig ist; auch die Spielstätten genügen nicht immer den größer werdenden Ansprüchen.

Tamoj: Dies liegt daran, dass wir bislang in der ProB auf die Festlegung von Standards im Lizenzverfahren verzichtet haben. Auch darüber werden wir nachdenken müssen – sofern diese sich nicht als Nachwuchsstandorte etablieren wollen. Entscheidend ist jedoch, dass der Bundesligist, der sich den ambitionierten Nachwuchsstandards unterwirft, seine wirtschaftlichen Mittel in erster Linie für diesen Bereich einsetzt. Wenn wir dies nach außen kommunizieren, ist für alle ersichtlich und nachvollziehbar, dass die Hallenstruktur dann auch sein darf wie sie ist. Letztlich geht es um den effizienten Einsatz der Ressourcen.

Glauben Sie, dass sich solche ambitionierten Standards umsetzen lassen werden und alle ProB-Clubs diese gutheißen?

Tamoj: Die Clubs arbeiten täglich hart dafür, dass sich Basketball in ihrer Region weiterentwickelt, und die Verantwortlichen schauen, so meine Wahrnehmung, dabei durchaus über den eigenen Tellerrand hinaus. Die ProB stellt im Verhältnis zu den Regionalligen wesentlich höhere Anforderungen, denen die Manager gerecht werden müssen, wollen sie mit ihren Clubs in der Liga verbleiben. Das Ergebnis ihrer Arbeit ist aber sehr stark durch die Marktbedingungen vor Ort in der faktischen Drittklassigkeit bedingt. Wichtig ist, die regionalen Marktchancen dieser Bundesligisten mit den Zielen der ganzen Bundesliga zu verbinden. Ein Weg könnte sein, wirtschaftliche Anreize zu schaffen, um bestimmte Nachwuchsmaßnahmen durchzuführen. Aus diesem Grund haben wir vor einigen Jahren gemeinsam mit der Beko BBL den Ausbildungsfonds gegründet. Von diesem profitieren seitdem zahlreiche ProB-Ligisten. Es wäre wünschenswert, wenn der Ausbildungsfonds noch weiter ausgebaut werden könnte. Im Übrigen sollten wir nicht vergessen, dass es die Manager der ProB waren, die vor Jahren sehr spontan und sehr nachhaltig beschlossen haben, dass immer drei deutsche Spieler auf dem Feld stehen müssen. Dieser eingeschlagene Weg war definitiv richtig und wird auch in Zukunft ein wichtiger Bestandteil unseres Handelns sein.

Sie haben die Außendarstellung angesprochen. Wie sollte diese unter den veränderten Bedingungen aussehen?

Müller: Wir müssen akzeptieren, dass die ProA die zweithöchste Spielklasse und die ProB die dritthöchste Spielklasse in Deutschland ist. Diese offensichtliche Erkenntnis sollte sich nun auch in der Namensgebung niederschlagen. Hieran arbeiten wir im Moment intensiv.

Warum haben Sie diesem Umstand nicht schon früher Rechnung getragen und die Ligen dementsprechend bezeichnet?

Müller: Weil es unser Anliegen ist, in diesem Prozess unsere Partner, den Deutschen Basketball Bund und die Beko BBL, mitzunehmen. Insoweit mussten und müssen wir noch Überzeugungsarbeit leisten.

Worin besteht diese Überzeugungsarbeit?

Tamoj: Wir müssen in der Außendarstellung den heutigen Realitäten folgen! Dies bedeutet nun einmal, dass die ProB die dritthöchste Liga im Deutschen Basketball ist. Die Regionalligen sind de facto viertklassig, dies ergibt sich seit geraumer Zeit auch aus unseren Statuten. Ganz wichtig ist für uns allerdings eins: Die jetzige ProB wird auch weiterhin eine wichtige Rolle im Profibasketball in Deutschland einnehmen. Wir müssen jedoch die Entwicklung gesamthaft betrachten und forcieren – bei allem Verständnis für die Situation an den jeweiligen Standorten.

Wie geht es weiter? Wie werden die ProA und ProB in Zukunft heißen?

Müller: Ende März werden wir in einer außerordentlichen Mitgliederversammlung die dargestellten Fragen mit allen Bundesligisten erörtern und möglicherweise auch schon zu ersten Entscheidungen kommen. Wichtig ist, dass wir in diesem Prozess keinen Stillstand produzieren und uns nach Möglichkeit mit Blick auf die kommende Saison bereits neu positionieren.

Quelle: Die Junge Liga