4. Mai 2023

Den MLP Academics gelingt eine Sensation beim FC Bayern

Wochen voller Euphorie liegen hinter den MLP Academics Heidelberg, doch vielleicht ist es ihnen sogar noch vergönnt, am 34. und letzten Spieltag der regulären Saison für das i-Tüpfelchen zu sorgen. Am Donnerstagabend triumphierten die Korbjäger aus der Kurpfalz beim Meisterschaftskandidaten und Finanzkrösus FC Bayern Basketball mit einem souveränen und letztlich hoch verdienten 89:78 (21:17, 23:25, 22:22, 23:14) und hielten damit die kleine Chance, doch noch mit einem Last-Minute-Erfolgserlebnis gegen die Niners Chemnitz am Sonntag (15 Uhr, SNP dome) in die Playoffs einzuziehen, weiter am Leben. Das Daumendrücken für die Basketball Löwen Braunschweig gestern half schon mal, denn die Niedersachsen ergatterten bei den Würzburg Baskets durch ein 77:73 wichtige Punkte im Abstiegskampf und leisteten den Academics Schützenhilfe. Die easyCredit Basketball Bundesliga bietet jedenfalls in der Spielzeit 2022/2023 ein Höchstmaß an Spannung und Unterhaltung, wozu die Heidelberger maßgeblich beitragen.

Historischer Moment nach 50 Jahren

Elias Lasisi freut sich über den historischen Sieg gegen den FC Bayern Basketball. (c) Lukas Adler

Man kann es nicht anders bewerten: Der Auswärtssieg beim Euroleague-Team FC Bayern ist für die Heidelberger Emporkömmlinge ein historischer Moment. Was sich bereits beim knappen 83:87 in der SAP Arena nach Weihnachten angedeutet hatte, wurde nun Realität. Die „Akademiker“ sind nach einer unglaublichen Leistungssteigerung in der zweiten Saisonhälfte in der Lage, einem der „großen BBL-Tiere“ an einem guten Tag das Bein zu stellen. Das bewiesen sie vor 5.667 Zuschauern im nicht ganz gefüllten Audi Dome mit Nachdruck, denn vom Sprungball weg waren die Gäste diejenigen, die mit deutlich mehr Entschlossenheit und Leidenschaft ans Werk gingen.

Erinnert sei nur kurz daran, dass der letzte Sieg gegen die Bayern 50 Jahre zurückliegt. 1973 war dem damaligen USC als amtierender deutscher Meister in der Folgesaison ein hohes 117:55 gegen die „Roten“ aus München gelungen – und dabei hatte Center-Hüne Dietrich Keller sagenhafte 38 Punkte markiert.

So gesehen war’s höchste Zeit für einen Überraschungscoup, der die Liga und viele Experten aufhorchen lässt. Für Beobachter, die die Iisalo-Schützlinge regelmäßig verfolgen, kommt eine herausragende Leistung wie die am 4. Mai in München nicht von ungefähr. Die Mannschaft und das engagierte Trainerteam waren 2023 mehr und mehr zusammengewachsen. In letzter Zeit lief es immer besser. Das 89:78 war zugleich der achte Erfolg in den letzten elf Spielen.

Akeem Vargas ist von Eric Washington und Elias Lasisi beeindruckt

Eric Washington zeigte beim Spiel eine seiner besten Leistungen. (c) Lukas Adler

„Unser Game Plan hat durchweg funktioniert. Eric hat 29 Punkte aufgelegt und Elias überragend getroffen“, analysierte Mannschaftskapitän Akeem Vargas die Partie, „das was unsere Guards gerade zeigen, ist wirklich beeindruckend.“ Wohl wahr: Eric Washington (29 Punkte, zehn Assists) dirigierte äußerst clever und effizient das eigene Orchester und er glänzte als brillanter Solist immer dann, wenn es erforderlich sein sollte. Die Bayern-Stars bekamen Heidelbergs Wirbelwind zu keinem Zeitpunkt in den Griff. Ja, sie verzweifelten zuweilen am besten Mann auf dem Parkett.

Der Belgier Elias Lasisi (20, vier Dreier) stand ihm nicht viel nach. Der 31-Jährige agiert derzeit auf Topniveau, seine Wurfsicherheit ist atemberaubend. Und da eben jeder Akteur sein Scherflein zu einer enormen Heidelberger Kollektivstärke beiträgt, beißen sich viele BBL-Kontrahenten die Zähne an der Widerspenstigkeit der penetranten „Jungs vom Neckar“ aus, die so gut wie nie nachlassen und stets spielerische Lösungen finden. Es mag merkwürdig klingen: Bis auf eine Phase im zweiten Viertel hatte der ruhmreiche und ambitionierte FC Bayern Basketball kaum eine wirkliche Chance, das unterhaltsame Duell für sich zu entscheiden.

Ob München zu viel experimentierte? Tatsache war, dass Cheftrainer Andrea Trinchieri seine gewohnte Rolle an seinen Assistenten Adriano Vertemati abgab. Die Bayern mussten ferner auf Topleute wie Nick Weiler-Babb, Othello Hunter, Vladimir Lucic und Freddie Gillespie verzichten, die entweder verletzt sind oder noch geschont wurden. Doch für Rückkehrer Elias Harris galt dies alles nicht als Ausrede. „Generell darf uns sowas wie heute, im letzten Heimspiel der regulären Saison, nicht passieren. Es war überhaupt kein guter Auftritt. Wir waren immer einen Schritt zu langsam, haben nicht gut verteidigt und Heidelberg konnte machen, was sie wollten. Das können wir uns nicht erlauben. Es muss unser Ziel sein, dass wir den Sack zumachen sobald wir eine Chance dazu wittern. Das haben wir nicht getan und dann hat Heidelberg das gut gespielt“, sagte der Ex-Speyrer Harris kritisch. Für ihn ging es darum, in einigen Minuten Spielpraxis nach dreimonatiger Abstinenz zu sammeln. Mehr als doppelt so lange (18 Minuten) stand Paul Zipser gegen seinen Heimatklub auf dem Feld. Zipser gelang wie manch anderem seiner Bayern-Teamkollegen relativ wenig. Den meisten Stars im roten Trikot fehlte die Aggressivität sowie der Glaube daran, den Außenseiter in die Schranken weisen zu können.

15:0-Lauf im letzten Viertel wirkt wie ein K.o.-Treffer

Der 15:0-Lauf im letzten Viertel wirkte spielentscheidend. (c) Lukas Adler

Spielentscheidend sollte der Beginn des letzten Viertels sein. Hier zogen die MLP Academics dank eines unwiderstehlichen 15:0-Laufs von 66:64 (Ende 3. Viertel) auf 81:64 (34.) davon. Der wunderbar frei gespielte Dreier für und von Lasisi entsprach einem K.o.-Treffer. Mit diesem Korb war der Wille der Hausherren endgültig gebrochen, sie vermochten die Gäste aus der Universitätsstadt nicht mehr zu gefährden. Im Gegenteil: 50 Sekunden vor dem Ertönen der Schlusssirene sprach eine Szene Bände, als Max Ugrai im Fallen den Ball zu Elias Lasisi bugsierte, der ihn geistesgegenwärtig zum 89:76 reintippte.

Kurz danach blickte man in strahlende Gesichter bei den Academics. Geschäftsführer Matthias Lautenschläger und der Sportliche Leiter Alex Vogel sowie einige mitgereiste Fans klatschten die Helden am Rande der Bande begeistert ab. Und jetzt? Muss geschaut werden, was Rostock und Chemnitz machen. Für „Captain“ Akeem Vargas steht indes fest: „Ich bin zuversichtlich, dass der SNP dome am Sonntag brennt.“ Dem mutigen Bayern-Bezwinger Heidelberg ist nun viel zuzutrauen …

 

Stimmen zum Spiel:

„Ich bin sehr stolz auf mein Team! Wir haben mit sehr viel Energie gespielt und sind das gesamte Spiel über fokussiert geblieben. Unser Game Plan ist bis zur Perfektion aufgegangen und wir haben es verdient, heute Abend zu gewinnen.“ – Joonas Iisalo, Headcoach der MLP Academics

 „Diese Spiele am Ende der Regular Season gewinnt das Team, welches das größere Verlangen hat, ein Spiel zu gewinnen. Dieses Verlangen hatten wir heute nicht und hatten somit auch keinen Sieg verdient.“ – Andrea Trinchieri, Headcoach des FC Bayern, gestern ausnahmsweise in der Rolle des Assistenten

 „Großartige Stimmung. Wir haben uns an den Plan gehalten. Wir wussten, was zu tun war. Wir kamen aus der Kabine raus und haben die Vorgaben erfüllt. Wir hatten einige wichtige Würfe und den Gegner in entscheidenden Momenten gestoppt. Jeder ist trotz der heißen Atmosphäre ruhig und fokussiert geblieben. Uns ist es gelungen, im vierten Viertel die Führung zu übernehmen.“ – Eric Washington, Playmaker der MLP Academics

 „Wir haben sehr motiviert gespielt. Wir haben immer noch eine Chance auf die Playoffs und mit diesem Fokus sind wir nach München gekommen. Auf der anderen Seite hatten die Bayern nicht wirklich Lust zu spielen und wir haben unseren Vorteil daraus gezogen.“ – Elias Lasisi, Shooting Guard der MLP Academics

 „Das Spiel hat Spaß gemacht. Für mich war es das erste Mal, dass ich gegen ein Euroleague-Team gespielt habe. Die Zuschauer waren großartig, aber Eric Washington war ebenfalls großartig. Er hat unser Team von Anfang an geführt und alle sind ihm gefolgt. Ein weiterer wichtiger Sieg für unsere Mannschaft. Wir freuen uns auf das letzte Spiel der regulären Saison und hoffen, dass unsere Fans wieder die nötige Energie mitbringen.“ – Jack McVeigh, Power Forward der MLP Academics

 

Für die MLP Academics Heidelberg spielten: Eric Washington 29 (3 Dreier, 10 Assists), Elias Lasisi 20 (4), Jack McVeigh 10 (2), Max Ugrai 9 (1), Bryan Griffin 7, Vincent Kesteloot 7, Bennet Hundt 4, Akeem Vargas 3 (1), Shy Ely, Niklas Würzner (DNP), Lukas Herzog (DNP), Felix Edwardsson (DNP).

FC Bayern Basketball: Andreas Obst 15 (4), Isaac Bonga 12, Zylan Cheatham 12, Niels Giffey 9 (2), Corey Walden 7 (1), Cassius Winston 7, Ognjen Jaramaz 7 (1), Elias Harris 6, D.J. Seeley 3 (1), Paul Zipser, Niklas Wimberg, Mohamed Sillah (DNP).

 

 

Joachim „Jogi“ Klaehn

MLP Academics Heidelberg

Kommunikation und Medien

Zuschauer:innen: 5.667
MLP Academics Heidelberg – Basketball mit Zukunft