14. April 2023

Die MLP Academics surfen gegen die „Seewölfe“ auf der Erfolgswelle weiter

Es ist immer problematisch, aus einem beherzt kämpfenden Kollektiv einen einzelnen Akteur hervorzuheben. Doch nach dem 78:75 (17:29, 16:14, 27:10, 18:22) der MLP Academics Heidelberg am Freitagabend gegen den superstarken Aufsteiger Rostock Seawolves in der easyCredit Basketball Bundesliga tun wir es trotzdem. Elias Lasisi, der 31-jährige Belgier, stach vor 3.482 Zuschauern aus einer Mannschaft heraus, die unfassbare Comeback-Qualitäten zeigte. „Elias hat uns gerettet“, sagte hinterher Niklas Würzner über den besonderen Beitrag des Teamkollegen. Denn gerade als alles schon zu verloren sein schien, drehte der „Jumper“ und Werfer von der Dreierlinie auf. „Wir haben heute von Elias und der hervorragenden Defensive in der zweiten Halbzeit gelebt“, konstatierte der Sportliche Leiter Alex Vogel. Mit dem vierten Sieg in Folge haben die Heidelberger ohne Wenn und Aber die allerletzten Zweifel am Ligaverbleib beseitigt.

Mehr noch: Sie konnten en passant ihre Vereinsbestmarke in der BBL bereits sechs Spieltage vor Ende der regulären Saison steigern. Im Premierenjahr 2021/2022 waren es insgesamt 11 Erfolge, nun sind es bereits deren zwölf – wer hätte dies bis vor Kurzem gedacht!?

Joonas Iisalo: „Schön, dass sich die harte Arbeit auszahlt“

Die harte Arbeit zahlt sich langsam aus. (c) Lukas Adler

Derweil haben die „Akademiker“ die Basketball-Philosophie ihres finnischen Trainers Joonas Iisalo, der gegen die Norddeutschen auf Bryan Griffin (Krankheit) und Niklas Würzner (Knöchelverletzung) verzichten musste, offenbar verinnerlicht. „Schön, dass sich die harte Arbeit auszahlt“, sagte Iisalo bei der Pressekonferenz in den Katakomben der Multifunktionshalle aufgeräumt. Der Finne darf zurecht stolz auf seine „Jungs vom Neckar“ sein. Diesmal ging er sogar einen Schritt weiter: „Es ist einfach klasse, was alle auch im Team um das Team hier leisten“, lobte Iisalo mannigfaltiges Extraengagement am Rande der Bande. Beispielsweise die ausgewiesene Expertise der Medizin- und Physiotherapeuten-Crew, das Herzblut vieler Helferinnen und Helfer sowie die totale Begeisterungsfähigkeit der Fans.

Heidelberg ist unter den beiden Reusen und auf den Tribünenflanken des SNP domes zu einer verschworenen Einheit geworden. Vier Triumphe in Folge (Crailsheim, Oldenburg, Bamberg und Rostock) illustrieren nachhaltig, dass die MLP Academics derzeit auf einer Erfolgswelle surfen. Sie sind seit knapp drei Wochen kaum von der BBL-Konkurrenz zu bezwingen – diese bittere Erfahrung mussten diesmal die „Seewölfe“ sammeln.

Dabei sah es lange nach einem leichten Beutefang für die Gäste aus. Sie hatten die „Akademiker“ exzellent studiert, verteidigten insbesondere gegen Bundesliga-Topscorer Eric Washington und „Aussie“ Jack McVeigh leidenschaftlich, sodass die Offensivkraft der Kurpfälzer in der ersten Halbzeit nicht zum Tragen kommen sollte. Rostock war physisch präsenter, pflückte deutlich mehr Rebounds und traf zunächst hochprozentiger. Das 33:43 nach zwei Vierteln schmeichelte sogar den Hausherren etwas.

Matchwinner: Elias Lasisi kam, sah und siegte

Elias Lasisi ging gestern als Topscorer vom Feld. (c) Lukas Adler

Zwischenzeitlich lag man bedrohlich mit 17:36 (12.) zurück. Christian Held konnte mit seinen Profihelden zufrieden sein. Nijal Pearson, JeQuan Lewis, Derrick Alston Jr. und Jordan Roland stellten die Academics-Defensivformation vor knifflige Rätsel.

Und dann? Hielt es einer im Stil des einstigen römischen Feldherrn Julius Cäsar („veni, vidi, vici“) – heißt Lasisi kam, sah und siegte. Der 10:0-Lauf gleich nach der Pause mit dem energischen Nachsetzen von Vincent Kesteloot und der Scoring-Mentalität seines belgischen Landsmannes Elias Lasisi (14 Punkte allein im dritten Abschnitt!) bedeuteten nach 125 Sekunden den Ausgleich (43:43). Wenig später brachte Shy Ely die MLP Academics per Dreier mit 47:46 (25.) erstmalig in Führung.

Im SNP dome wurde es lauter und lauter – welch eine Stimmung, welch ein Überholmanöver bis zum 65:57 (34.), welch eine irre Dramaturgie! Max Ugrai wurde mit seiner abgeklärten, effizienten Spielweise erneut zu einer Leaderfigur. Rostock ließ nicht locker, wehrte sich nach Leibeskräften und schnupperte temporär am Auswärtssieg (69:70, 38.). Letztlich machten Washington und vor allem Ugrai mit seinem dritten Dreier sowie zwei Freiwürfen bis zum 78:75 den Deckel drauf, während Lewis‘ Versuch zum Ausgleich drei Sekunden vor Schluss das Ziel verfehlte. Das nächste Basketball-Fest mit Happy End war damit perfekt.

Das wertvolle Erfolgserlebnis, die nächste Jubel-Orgie

Die Teamleistung hat gestern gestimmt. (c) Lukas Adler

Es spricht fürs Selbstbewusstsein, die Qualität und Geschlossenheit der MLP Academics, dass die nächste Jubel-Orgie trotz der hart und klug verteidigenden Seawolves gefeiert wurde. Sowohl Washington (5 Punkte, 9 Assists) als auch McVeigh (7 Punkte, 7 Rebounds) kamen im Abschluss nämlich nicht wie gewohnt zur Geltung. Dieser Teilaspekt macht das Erfolgserlebnis noch einen Tick exklusiver, wertvoller und bedeutender.

Bereits am Mittwoch (20.30 Uhr) steht das nächste Match bei den Veolia Towers Hamburg an. Danach gastiert am Samstag (18 Uhr) das Spitzenteam der Telekom Baskets Bonn im SNP dome.

Heidelbergs Dreierspezialisten (15/10 gegenüber den Ostseestädtern) darf wegen des momentanen Höhenflugs eine ganze Menge zugetraut werden.

Stimmen zum Spiel:

„Ein Spiel mit zwei Gesichtern. Wir lagen vor der Halbzeit mit zehn Punkten zurück, konnten das Spiel aber drehen und es unter unsere Kontrolle bringen. Davor haben wir eher langsam und soft gespielt. Ich bin sehr froh, dass wir das drehen konnten, wir haben hart gearbeitet, um zurückzukommen. Wir haben viel in der Defensive getan, das hat das Spiel gedreht. Das Team aus der letzten Saison hat 11 Siege geholt, wir haben 12 Siege geholt und es sind noch sechs Spiele. Wir können stolz sein, die Leistung von der letzten Saison zu steigern. Schön, dass sich die harte Arbeit auszahlt.“ – Headcoach Joonas Iisalo von den MLP Academics

 

„Herzlichen Glückwunsch an Joonas und sein Team, die eine sehr starke Phase haben und super Basketball spielen. Ich finde, dass wir es über drei Viertel hervorragend gemacht haben. Im dritten Viertel hatten wir Probleme, sie zu verteidigen und haben sie da reingelassen, wo wir sie nicht reinlassen wollten. Dann waren sie sofort wieder im Spiel und starten das Viertel mit einem 10:0-Lauf. So will man nicht aus der Halbzeit kommen, abgesehen davon haben wir in der Defensive einen guten Job gemacht und das meiste kontrolliert. Am Ende muss man sagen: Hut ab, dass sie jeden Big Shot, den sie kriegen, auch treffen. Wir hatten die Möglichkeit zurückzukommen, wir hatten ein, zwei Korbleger und Dreier, die wir nicht getroffen haben, auch unsere Freiwürfe nicht. Trotzdem bin ich nicht unzufrieden mit der Leistung, die wir heute über lange Strecken gebracht haben.“ – Christian Held, Headcoach der Rostock Seawolves

 

„Die Fans waren unglaublich. Wir haben im dritten Viertel mit unserer hervorragenden Defensive die Wende geschafft und Elias hat dabei seinen Schwung auf das ganze Team übertragen.“ – Alex Vogel, Sportlicher Leiter der MLP Academics

 

„Die Gespräche mit den Spielern haben begonnen. Wir werden alles dafür tun, um möglichst viele in Heidelberg zu halten.“ – Matthias Lautenschläger, geschäftsführender Gesellschafter der MLP Academics

 

 

Für die MLP Academics Heidelberg spielten: Elias Lasisi 20 (6 Dreier), Max Ugrai 18 (3), Vincent Kesteloot 10 (1), Shy Ely 8 (2), Tim Coleman 7 (1), Jack McVeigh 7 (1), Eric Washington 5, Akeem Vargas 3 (1), Bennet Hundt, Felix Edwardsson, Lukas Herzog (DNP).

Rostock Seawolves: Nijal Pearson 17 (1), JeQuan Lewis 16 (4), Derrick Alston Jr. 14 (2), Jordan Roland 11 (3), Selom Mawugbe 6, Till Gloger 5, Elias Valtonen 4, Sid-Marlon Theis 2, Chris Carter, Dennis Nawrocki (DNP).

 

 

Joachim „Jogi“ Klaehn

MLP Academics Heidelberg

Kommunikation und Medien

 

Zuschauer:innen: 3.482
MLP Academics Heidelberg – Basketball mit Zukunft