2. Februar 2022

109:73 – Harte Niederlage in Oldenburg

Nach einem aus Academics-Sicht noch passablem ersten Viertel, das 27:19 endet, geraten die MLP Academics Heidelberg gegen wie entfesselt auftretende EWE Baskets Oldenburg komplett unter die Räder. Bei den Gastgebern aus Niedersachsen zeigt sich von Beginn an die Handschrift des neuen Cheftrainers Ingo Freyer: in der Verteidigung Druck über das komplette Spielfeld, in der Offensive unzählige schnelle Abschlüsse und engagiertes Rebounding. Diese Intensität können die Academics spätestens ab dem zweiten Viertel nicht mehr erwidern, was sich unter anderem in der Reboundbilanz niederschlägt: mit 20 (davon sieben offensiv) zu 44 (davon 16 offensiv) verlieren die Academics das Reboundduell und können auch defensiv die befreit aufspielenden Donnervögel nie wirklich stoppen. Am Ende steht mit 109:73 (51:33) die höchste Saisonniederlage der Heidelberger zu Buche. 

Ausgangssituation: Vor der Partie ist klar: für beide Mannschaften geht es im Kampf gegen den Abstieg um einiges. Für die Academics ist das Spiel die Chance, gegen den bisherigen Tabellenletzten und Mitkonkurrenten um den Klassenerhalt einen Big Point zu sammeln und gleichzeitig den Anschluss an das Mittelfeld der Tabelle herzustellen. Die Oldenburger auf der anderen Seite stehen mit dem Rücken an der Wand – mit hohen Erwartungen in die Saison gestartet und dann als eigentlich sicherer Playoffanwärter in den Tabellenkeller abgestürzt, sind sie aktuell mit nur zwei Siegen aus 16 Spielen sogar Tabellenletzter. Hier muss nach zuletzt acht Niederlagen in Folge unbedingt wieder ein Sieg her. Hinzu kommt der Trainerwechsel auf Oldenburger Seite, der die Frage aufwirft, ob Ingo Freyer seine Mannschaft in nur zwei Tagen auf seinen hochintensiven Spielstil einstellen kann und ob das Team durch diese Umstellung neue Impulse bekommt, oder eher verunsichert ist.

Spielverlauf:

1.Viertel (27:19):

Beide Teams sind in der EWE ARENA von Beginn an hellwach, zeigen sich motiviert und haben keine Probleme, ihren offensiven Rhythmus zu finden. In einer von hohem Tempo geprägten Partie mit Highlights auf beiden Seiten führen die Niedersachsen nach viereinhalb gespielten Minuten mit 15:12. Bei diesem Stand fordert der Oldenburger Neu-Cheftrainer Ingo Freyer nach einem schönen Drive von Brekkot Chapman die erste Auszeit um etwas mehr defensive Härte in die Partie zu bringen. Auch wenn das Tempo unverändert hoch bleibt und beide Mannschaften weiter ohne Hemmung ihre Abschlüsse nehmen, sinken die Wurfquoten auf beiden Seiten doch ein wenig. Der Hauptgrund für den 27:19 Viertelpausen-Rückstand der Academics, bei denen Niki Würzner in der siebten Minute sein ersehntes Comeback feiern darf, liegt dann vor allem in der schwachen Reboundarbeit der Kurpfälzer begründet: während die Oldenburger 11 Rebounds sammeln, davon 5 am offensiven Brett, können die Academics gerade einmal vier Defensivrebounds sichern.

Academic des Viertels: Brekkott Chapman. Trägt seine Mannschaft offensiv fast alleine. Erzielt elf Punkte bei hervorragenden 83% Trefferquote auf dem Feld, dazu zwei mehr als sehenswerte Alley-Oop-Abschlüsse, die seine Mannschaft emotional ins Spiel bringen.

Brekkott Chapman Topscorer der Partie Foto: Ulf Duda

2. Viertel (24:14):

Auch im zweiten Spielabschnitt feuern beide Mannschaften weiter aus allen Rohren. Vor allem die Baskets zeigen die erwartet schnellen Abschlüsse, während sich die Mannschaft von Frenki Ignjatovic mit ihren Würfen etwas mehr Zeit lässt. Im Lauf des Viertels geraten die Academics, die sich gegen die Oldenburger Ganzfeld-Verteidigung nun sichtlich schwer tun, immer weiter in Rückstand. Bei den Gastgebern hingegen läuft es offensiv richtig gut und in der 15. Minute ist es dann so weit, dass der Abstand zwischen den beiden Mannschaften das erste Mal zweistellig ist: beim Stand von 38:27 beruft Ignjatovic folgerichtig eine Auszeit ein. Doch trotz dieser können die Gäste das Oldenburger Momentum nicht brechen. Außer durch Fastbreaks kommen sie kaum zu anständigen Abschlüssen, während die Baskets jetzt gefühlt überall sind und sich den gesammelten Frust der Saison vom Leib spielen. Mit einem mehr als deutlichen Zwischenstand von 51:33 geht es in die Halbzeitpause, wo die Academics mehr als genug zu besprechen haben.

Academic des Viertels: Rob Lowery. Stemmt sich so ziemlich als einziger gegen die Oldenburger Übermacht. Übernimmt Verantwortung im Spielaufbau und ist vor allem der einzige zuverlässige Punktelieferant in der Heidelberger Mannschaft. Erzielt so sechs der 14 Heidelberger Punkte dieses Viertels und schafft es sogar, sich unter dem Oldenburger Korb durchsetzen, wo seine deutlich größeren Mitspieler immer wieder das Nachsehen haben.

Academic des 2. Viertel, Rob Lowery Foto: Ulf Duda

3. Viertel (34:22):

Auch die Halbzeitpause bringt den MLP Academics nicht die erhoffte Wende. Offensiv finden die Heidelberger nach längeren Anlaufproblemen zwar mit verbessertem Zusammenspiel wieder etwas besser in die Partie, am eigenen Ende des Spielfelds schaffen sie es aber einfach nicht, dem regen Oldenburger Treiben Einhalt zu gebieten. Nach etwas mehr als 25 gespielten Minuten knacken die Niedersachsen sogar schon die 70-Punkte-Marke, gehen mit 71:46 in Führung und zeigen keinerlei Anzeichen nachzulassen. Angriff um Angriff lässt sich die Academics-Verteidigung zu einfach überwinden und offensiv wirken die Korbjäger vom Neckar zunehmend ideenlos und bauen zum Viertelende hin immer weiter ab. Mit einem überdeutlichen Zwischenstand von 85:55 geht die Partie in ihre letzte Pause und scheint schon zu diesem Zeitpunkt entschieden.

Academic des Viertels: Kelvin Martin. Auch wenn es zunehmend schwerer fällt, positive Impulse bei den Academics zu finden, hat sich Martin doch eine kleine Extraerwähnung verdient. Er trägt in einem Katastrophenviertel fünf Punkte für seine Mannschaft bei, hilft dabei die sonst omnipräsenten Lowery und Chapman zu entlasten, und zeigt ordentlichen Einsatz, der sich unter anderem in einem seltenen Offensivrebound niederschlägt.

Kelvin Martin zeigt ordentlich Einsatz im dritten Viertel Foto: Ulf Duda

4. Viertel (24:18):

Mit einem schnellen 2:6-Start und Dreiern von Leon Friederici und Max Ugrai zum 87:61 können die Academics überraschend stark aus der Viertelpause starten und Ingo Freyer zur Auszeit zwingen. Diese zeigt allerdings Wirkung, in den nächsten Minuten versiegt die Heidelberger Punkteproduktion gegen wieder fokussiertere Donnervögel weitestgehend. Fast nur noch von der Freiwurflinie kommen die Akademiker zu Punkten, während die EWE Baskets fröhlich weiter scoren. Als ausgerechnet der bei den Oldenburgern eigentlich schon fast aussortierte TJ Holyfield vier Minuten vor Spielende die magische Hundert vollmacht (100:68), ist die Partie endgültig gelaufen. Coach Ignjatovic nutzt die Zeit, um seinen Bankspielern Spielerfahrung zu ermöglichen und ein für die EWE Baskets sicherlich vergnüglicher Abend, der sich bei den Academics hingegen unangenehm ins Gedächtnis einbrennen wird, geht nach einer vor sich hin plätschernden Schlussphase mit 109:73 zu Ende.

Academic des Viertels: Leon Friederici. Haucht seiner Mannschaft im Schlussabschnitt noch einmal etwas Leben ein. Ist mit seinem Dreier am kurzen Heidelberger Zwischenlauf beteiligt und erzielt insgesamt fünf Punkte im letzten Viertel. Darüber hinaus weist der Heidelberger Guard mit -2 auch den besten Plus-Minus-Wert seiner Mannschaft auf.

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Nachbesprechung:

Statistik des Spiels: Hier führt kein Weg vorbei an der Reboundstatistik, welche die EWE Baskets nach Belieben dominierten. 20 Rebounds, davon sieben Offensive sammelten die MLP Academics Heidelberg über die ganze Partie ein – ein Wert den die Oldenburger bereits zur Halbzeit mit 27 (davon 12 Offensive) überboten hatten. Zum Spielende hatten die Donnervögel mit 44 (13 Offensive) den Heidelberger Wert um mehr als das Doppelte überboten. Diese Statistik erklärt nicht nur den Unterschied in Feldwurfversuchen beider Teams (OLD: 72, HD: 62), sondern bildet auch sehr treffend ab, wie sehr die Academics heute in Sachen Einsatz und Kampfgeist unterlegen waren.

Spieler des Spiels: Es fällt schwer, nach einer solchen Partie einen einzelnen Spieler besonders lobend hervorzuheben, doch Rob Lowery hat sich diese Auszeichnung trotzdem verdient. Mit seiner ganzen Erfahrung stemmte er sich gegen die Oldenburger und ihre Pressverteidigung und schaffte es trotz des hohen Defensivdrucks, 13 Punkte zu erzielen und – noch wichtiger – sogar sechs Assists zu verteilen. Zusammen mit Brekkot Chapman trug Lowery den Bärenanteil der Offensivlast der Academics über die ersten drei Viertel, und auch wenn er nicht auf voller Linie überzeugen konnte, war der 34-jährige Point Guard doch einer der größten Lichtblicke dieser Partie.

Moment des Spiels: Im zweiten Viertel, genauer in der 17. Spielminute konnten die EWE Baskets Oldenburg in einem einzigen Angriff vier Wurfversuche tätigen. Erst sammelte TJ Holyfield seinen eigenen verworfenen Dreier ein, dann Phil Pressey den verfehlten Sprungwurf von Tai Odiase und dann war es noch einmal Phil Pressey, der 1,80 m große Aufbauspieler der Oldenburger, der nach dem zweiten Holyfield-Dreier des Angriffs den Abpraller ergattern konnte, bis schließlich Baskets-Legende Rickey Paulding den Wurf zum 44:29 verwandelte. Diese Sequenz, in der die Academics drei Offensivrebounds in Folge zuließen, steht stellvertretend für den riesigen Vorsprung in Sachen Einsatz, den die Oldenburger das ganze Spiel über genossen. Spätestens ab diesem Moment war klar, dass die EWE Baskets es heute ernst meinem und es für die schlaffen Heidelberger eine ganz schwierige Partie sein sollte.

 

Für Heidelberg spielten: Brekkot Chapman (18), Robert Lowery (13), Maximlian Ugrai (9), Leon Friederici (8), Kelvin Martin (7), Oasasumwen Osaghae (6), Shyron Ely (5), Niklas Würzner (4), Albert Kuppe (3), sowie Anthony Watkins, Philipp Heyden und Jordan Geist.

 

 

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Titelbild: Ulf Duda

Text: Niklas Pempe