Der Intensitätsgipfel geht an Chemnitz – Playoffs sind sicher

Die MLP Academics haben das Auswärtsspiel in Mittelsachsen verloren. Die Mannschaft von Frenki Ignjatovic unterlag nach drei überzeugenden Viertel den NINERS Chemnitz 67:79. Die Playoff-Qualifikation gelang dennoch.

„Es könnte durchaus sein, dass Heidelberg und Chemnitz sich in dieser Saison noch einige Male sehen werden“, betonte Hallensprecher Olaf Kadner in der Richard-Hartmann-Halle bereits vor der Partie. Und blickte damit in einem etwas anderen Blickwinkel auf das anstehende ProA-Spitzenspiel. Selbstverständlich hat(te) er recht. Denn es ist durchaus wahrscheinlich, dass Chemnitz und Heidelberg auf den Rängen vier und fünf die Saison beenden – egal in welcher Reihenfolge. Somit würde man sich mindestens weitere dreimal sehen. In den Anfang April startenden Playoffs will jedoch keine Mannschaft auf den Heimvorteil verzichten, sodass sowohl die NINERS als auch die MLP Academics mit Vollgas in die Partie gingen. Offensiv dabei stärker? Die Hausherren, welche sich gleich einmal mit fünf Punkten absetzten (5:0, 2. Spielminute). Doch in den ersten Minuten dominierte nicht der Angriff, sondern die Fehler: gleich vier Turnover gab es zu „bestaunen“. Bis Bernard Thompson, welcher neu in die Starting Five gerückt war, auf den Plan trat: er versenkte gleich zwei Distanzwürfe in den NINERS-Korb. (10:10, 5.). Spätestens jetzt waren die MLP Academics in der Partie, die Halle auf Betriebstemperatur und das Spitzenspiel seines Namens würdig. Fortan nahm die Partie weiter an Fahrt auf – Heidelberg hatte dabei eine beeindruckende Trefferquote auf seiner Seite. Folgerichtig war der Spielstand: 14:17 leuchte es nach zehn Minuten von der Anzeigentafel.

Zum Beginn des zweiten Viertels setzte sich dieses Bild fort. Keine der Mannschaften war besser, die kurpfälzischen Gäste jedoch treffsicherer. In Minute 12 dann das Comeback von Shy Ely (diesmal mit der Nummer #1 auf dem Rücken). Doch die Rückkehr des US-Amerikaners brachte vorerst nichts. Die MLP Academics blieben mehrere Minuten ohne eigenen Korberfolg – und kamen erst nach einer Ignjtaovic-Auszeit zurück in die Spur. Und wie! Mit acht Punkten in Serie zwangen sie Rodrigo Pastore zu selbiger Maßnahme (23:31, 17.). Doch die Ansprache des Argentiniers fruchtete nicht so sehr wie die seines serbischen Kollegen. Erst als Center Martin Seiferth zweifach gefährlich in Korbnähe auftauchte, fand die Chemnitzer Durststrecke ein Ende. Dennoch konnten die MLP Academics zufrieden mit sich sein. Denn aufgrund einer 64-prozentigen Trefferquote von Downtown und einer gut eingestellten Verteidigung hatte die Führung auch zur Halbzeitpause Bestand (31:37, 20.). Das einzige Manko? Wie bereits in Viertel eins fiel die Führung geringer aus als möglich.

Das Publikum pusht weiter

Während das Spiel vor der Halbzeit bereits intensiv war, ging es im Anschluss daran genauso weiter. Abermals gelang dabei den NINERS der bessere Start. Aus Heidelberger Sicht waren nun nicht mehr die sicheren Dreipunktewürfe der Erfolgsgarant Nummer eins, sondern die in die Zone schneidenden Guards: Das Zusammenspiel klappte sehenswert und ließ die gute Verteidigung der Chemnitzer mehrfach kollabieren (36:45, 25.). Doch die Spielkontrolle konnte keine Mannschaft so richtig für sich beanspruchen. Da es in (un)schöner Regelmäßigkeit auf beiden Seiten defensive Patzer gab, wogte die Partie hin und her. Und wurde durch das leidenschaftliche Publikum zusätzlich aufgeheizt. Abermals wurde der Abstand jedoch mit Ablauf des Viertels geringer. Dank eines Hustle-Plays von Seiferth (Block plus Pass über das ganze Feld) verkürzte Craig Bradshaw zum Viertelende auf 47:53. Die Halle tobte – aus Heidelberger Sicht zum schlechtmöglichsten Zeitpunkt.

Denn auch das vierte Viertel sollte aus Chemnitzer Sicht lautstark und kampfintensiv werden. Nach einem weiteren Dreipunkt-Spiel von Chris Carter (32.) war es auch um den letzten Sachsen geschehen: die Halle stand gesammelt hinter der Mannschaft – ein wahrer Heimvorteil. Binnen kürzester Zeit drehten die Hausherren das Spiel und eroberten sich die Führung nach dem Verlust im ersten Viertel zurück (59:55, 35.). Aus -8 hatten die NINERS +4 gemacht – höchste Zeit für eine weitere Auszeit. Doch die MLP Academics fanden auf diese Intensität erst ganz langsam Antworten. Zu langsam. Aufgrund einer nun erstklassigen Offensivleistung der Hausherren kam Heidelberg nicht mehr heran, der Rückstand wuchs kontinuierlich an. Die Folge waren 2086 lautstark feiernde Zuschauer und eine sehenswerte, da fehlerfreie Offensive (32 Punkte im Schlussabschnitt). Am Ende war diese Kombination zu viel für die MLP Academics. Die Mannschaft unterlag im Intensitätsgipfel des Spieltags 67:79. Der Gewinn des direkten Vergleichs ist dabei nur ein schwacher Trost. Große Freude lösen dagegen die Ergebnisse aus den anderen Hallen aus. Aufgrund der Kölner Niederlage in Hamburg und des Paderborner Sieges gegen Hanau sind die MLP Academics nicht mehr aus den Top8 der Tabelle zu verdrängen. Damit ist nun sicher, was sich die letzten Wochen bereits abzeichnete. Nun gilt es, das nächste Minimalziel (Platz fünf) einzufahren.

Zum an die Wand hängen: die Tabelle nach Spieltag 28 verdeutlicht, dass die MLP Academics in die Playoffs einziehen werden.

Die Statements zum Spiel:

Frenki Ignjatovic: „Ich möchte Rodrigo zu einem tollen Spiel und einer tollen Saison beglückwünschen. Diese Unterstützung in der Halle ist einmalig – das habe ich noch nicht gesehen. Wir haben das Spiel über drei Viertel kontrolliert, haben Shy zurück bekommen und mit dem Spiel, vor allem mit der Defensive, war ich sehr zufrieden. Der Schlüsselmoment war der Dreier von Fleischmann. Das hat uns richtig weh getan. Chemnitz hat sich am Ende in einen Rausch gespielt, hat die schweren Würfe getroffen und hatte das nötige Selbstvertrauen. Es ist uns nicht gelungen, in den entscheidenden Momenten das Spielgeschehen zu kontrollieren. Mein Gefühl sagt mir, dass wir uns noch ein paar Mal in diesem Jahr sehen. Ich traure meiner Mannschaft viel zu. Ich erwarte in der ersten Playoff-Runde das Duell Chemnitz gegen Heidelberg.“

Rodrigo Pastore: „Danke für die Glückwünsche. Als erstes möchte ich mich für die Unterstützung bedanken. Heidelberg ist eine sehr starke Mannschaft, gut gecoacht. Das ist auch nicht einfach als Trainer. Ich bin sehr stolz für meine Mannschaft – heute haben wir es geschafft. Es war nicht einfach. Lawson hat heute unglaublich gespielt. Das Spiel in Nürnberg wird schwer. Wir müssen uns gut vorberieten.“

Für Chemnitz spielten: Joseph Lawson 22 Punkte, Christopher Carter 20, Virgil Matthews 12, Michael Fleischmann 7, Jonas Richter 7, Martin Seiferth 6, Craig Bradshaw 5, Malte Ziegenhagen und Stefan Wess.

Für Heidelberg spielten: Vance Hall 15 Punkte, Phillipp Heyden 11, Hrvoje Kovacevic 10, Niklas Würzner 8, Shy Ely 7, Bernard Thompson 6, Albert Kuppe 5, Devin White 5, Niklas Ney und Christoph Rupp.

Lukas Robert